Uhren-Lexikon · Norm & Abkürzung

ISO 22810

Internationale Norm zur Wasserdichtigkeit von Gebrauchsuhren.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Die ISO 22810 ist die internationale Norm zur Wasserdichtigkeit von Gebrauchsuhren. Sie legt fest, welche Anforderungen eine Uhr erfüllen und welche Prüfungen sie bestehen muss, damit sie als wasserdicht gekennzeichnet werden darf. Die aktuelle Fassung stammt aus dem Jahr 2010 und löste die frühere Norm ISO 2281 ab. Für Käufer ist sie vor allem deshalb wichtig, weil sie den Rahmen dafür setzt, was Angaben wie „100 m" oder „10 bar" auf dem Zifferblatt oder Gehäuseboden tatsächlich bedeuten.

Was die ISO 22810 regelt

Die Norm richtet sich an gewöhnliche Armband- und Taschenuhren, nicht an spezielle Taucherausrüstung. Sie beschreibt die Bedingungen, unter denen ein Modell auf Wasserdichtigkeit geprüft wird, und die Grenzen, innerhalb derer eine Angabe verwendet werden darf. Dazu gehören verschiedene Prüfungen, etwa der Widerstand gegen Überdruck und gegen das Eindringen von Feuchtigkeit bei Temperaturwechseln. Bestandteil des Prüfgedankens ist auch, dass wichtige Öffnungspunkte des Gehäuses wie die Krone und der Boden dichtgehalten werden.

Die Prüfungen sind als Typprüfungen für ein Modell zu verstehen. Sie sagen aus, dass eine Uhr dieser Bauart unter Laborbedingungen dem angegebenen Druck standhält. Sie sind kein Versprechen, dass jede einzelne Uhr auf Dauer und unter allen Umständen exakt so dicht bleibt.

Prüfdruck statt Tauchtiefe

Der wohl wichtigste Punkt für den Alltag: Die Meterangabe ist ein Prüfdruck, keine reale Tauchtiefe. Getestet wird mit ruhendem Wasser oder Überdruck unter festgelegten Bedingungen. Beim Schwimmen, Springen oder Tauchen entstehen jedoch kurzzeitig deutlich höhere Drücke durch die Bewegung, die in dieser statischen Prüfung nicht abgebildet sind. Eine Uhr mit der Angabe „30 m" ist deshalb nicht zum Schwimmen in 30 Metern Tiefe gedacht.

Als grobe Orientierung hat sich in der Branche eine gängige Faustregel etabliert, die allerdings nicht wörtlich Teil der Norm ist: 30 m eignen sich nur für Spritzwasser, 50 m fürs Händewaschen und gelegentlichen Kontakt, 100 m fürs Schwimmen und Schnorcheln, und erst höhere Werte für ernsthaftere Wassernutzung. Hinzu kommt, dass die Dichtigkeit mit der Zeit nachlässt, weil eine Dichtung altert. Eine verschraubte Krone und ein Schraubboden helfen, den angegebenen Wert dauerhaft zu halten.

ISO 22810, ISO 6425 und DIN 8310 im Verhältnis

Die ISO 22810 ist die Grundnorm für Gebrauchsuhren. Wer eine Uhr offiziell als „Taucheruhr" bezeichnen möchte, muss dagegen die strengere ISO 6425 erfüllen, die zusätzliche Anforderungen wie eine gute Ablesbarkeit im Dunkeln und eine geprüfte Mindestdichtigkeit stellt. Im deutschsprachigen Raum existiert außerdem die DIN 8310 mit ähnlicher Zielrichtung. Die drei Normen ergänzen einander: Die ISO 22810 deckt den breiten Alltag ab, die ISO 6425 den professionellen Tauchbereich. Ein spezielles Bauteil wie das Heliumventil betrifft ohnehin nur bestimmte professionelle Taucheruhren und ist für die allgemeine Wasserdichtigkeit nach ISO 22810 ohne Bedeutung.

Was die Angaben für den Alltag bedeuten

Für die Praxis lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahl. Sie beschreibt, welchem Prüfdruck ein Modell im Neuzustand standgehalten hat, nicht, wie tief man damit tauchen kann. Wer regelmäßig mit der Uhr ins Wasser geht, sollte die Dichtungen in Abständen prüfen lassen. Und wer eine Uhr gezielt zum Tauchen sucht, orientiert sich besser an der ISO 6425 als allein an der Meterangabe nach ISO 22810.

Wie eine Uhr wasserdicht gehalten wird

Ob eine Uhr die Anforderungen der Norm erreicht, hängt am Zusammenspiel mehrerer Bauteile. Dichtungen an Boden, Glas und Aufzugsmechanik verschließen die Übergänge des Gehäuses. Je höher der angegebene Wert, desto sorgfältiger müssen diese Stellen abgedichtet und aufeinander abgestimmt sein. Bewegliche Teile sind dabei die empfindlichsten Punkte, weil sie im Betrieb geöffnet und wieder geschlossen werden. Nach einem Öffnen des Gehäuses, etwa für einen Batteriewechsel oder eine Revision, sollte die Wasserdichtigkeit erneut geprüft werden, da sich die Dichtungen beim Zusammenbau verschieben oder beschädigen können. Fachbetriebe nutzen dafür Prüfgeräte, die den in der Norm beschriebenen Bedingungen nachempfunden sind. So lässt sich feststellen, ob eine Uhr den angegebenen Wert in ihrem aktuellen Zustand noch hält.

Häufige Fragen

Bedeutet „50 m" nach ISO 22810, dass ich 50 Meter tief tauchen kann?

Nein. Die Angabe ist ein Prüfdruck unter ruhenden Laborbedingungen, keine Tauchtiefe. Beim Schwimmen und Springen entstehen höhere Drücke. Für 50 m gilt als Faustregel nur gelegentlicher Wasserkontakt, nicht das Tauchen.

Worin unterscheidet sich die ISO 22810 von der ISO 6425?

Die ISO 22810 gilt für gewöhnliche Gebrauchsuhren. Die ISO 6425 ist strenger und legt fest, wann eine Uhr sich offiziell Taucheruhr nennen darf, inklusive Ablesbarkeit und höherer Mindestdichtigkeit.

Bleibt die Wasserdichtigkeit dauerhaft erhalten?

Nicht automatisch. Dichtungen altern, und Stöße oder eine nicht ganz verschlossene Krone können die Dichtigkeit mindern. Eine regelmäßige Prüfung ist sinnvoll, wenn die Uhr häufig mit Wasser in Kontakt kommt.