Was eine Dichtung in der Uhr leistet
Eine Dichtung ist ein elastischer Ring, der die kleinen Spalten zwischen den einzelnen Gehäuseteilen einer Uhr verschließt. Am häufigsten wird sie als runder O-Ring ausgeführt. Ihre Aufgabe klingt einfach, ist aber entscheidend: Sie hält Wasser, Staub und Feuchtigkeit aus dem Inneren fern und schützt damit das empfindliche Werk. Ohne funktionierende Dichtungen wäre keine Uhr wasserdicht.
Eingesetzt werden Dichtungen überall dort, wo das Gehäuse geöffnet werden kann oder aus mehreren Teilen besteht. Die drei wichtigsten Stellen sind die Krone, der Gehäuseboden und das Glas. An jedem dieser Punkte trifft Metall auf Metall oder auf Glas, und genau dort sorgt der zusammengepresste Dichtungsring für den nötigen Abschluss.
Aus welchem Material Dichtungen bestehen
Dichtungen werden in der Regel aus synthetischem Gummi gefertigt. Gängige Werkstoffe sind Nitrilkautschuk, Silikon oder Fluorkautschuk. Diese Materialien sind elastisch genug, um sich beim Verschließen des Gehäuses leicht zu verformen und den Spalt vollständig auszufüllen. Gleichzeitig sollen sie beständig gegen Wasser, Temperaturschwankungen und viele Chemikalien sein.
Damit eine Dichtung geschmeidig bleibt und sauber schließt, wird sie bei der Montage oft mit einem speziellen Silikonfett behandelt. Dieses Fett verringert die Reibung, etwa an einer verschraubten Krone, und unterstützt die dichtende Wirkung. Es ersetzt jedoch keine intakte Dichtung, sondern ergänzt sie nur.
Warum Dichtungen altern
Der wichtigste Punkt für jeden Uhrenträger: Dichtungen sind Verschleißteile. Mit der Zeit verliert das Gummi seine Elastizität, wird spröde und kann feine Risse bekommen. Beschleunigt wird dieser Prozess durch Wärme, UV-Licht, Schweiß, Seife, Cremes und Parfum. Eine gealterte Dichtung liegt nicht mehr sauber an und lässt im schlimmsten Fall Feuchtigkeit eindringen – selbst wenn die Uhr äußerlich unversehrt wirkt.
Aus diesem Grund ist die angegebene Wasserdichtigkeit einer Uhr keine dauerhafte Garantie, sondern beschreibt den Zustand mit intakten Dichtungen. Wer seine Uhr regelmäßig im Wasser trägt, sollte die Dichtigkeit deshalb in Abständen prüfen und die Dichtungen bei Bedarf tauschen lassen. Üblicherweise geschieht das im Rahmen einer regulären Wartung.
Besonders stark gefordert werden Dichtungen durch Hitze und Wasserdampf. Ein heißes Bad, die Dusche oder der Gang in die Sauna setzen dem Gummi zu, weil hohe Temperaturen das Material schneller altern lassen und der Wechsel zwischen warm und kalt die Ringe zusätzlich belastet. Deshalb rät man generell davon ab, eine Uhr mit heißem Dampf in Kontakt zu bringen, selbst wenn sie als wasserdicht gilt.
Zusammenspiel mit anderen Bauteilen
Dichtungen wirken nie allein, sondern im Zusammenspiel mit der Konstruktion des Gehäuses. Eine verschraubte Krone und ein Schraubboden pressen die zugehörige Dichtung fest an und erhöhen so die Wasserdichtigkeit deutlich gegenüber bloß eingedrückten Teilen. Auch am Glasboden einer Uhr mit Sichtfenster sorgt eine umlaufende Dichtung für den nötigen Abschluss.
Nicht nur an den drei Hauptstellen sitzen Dichtungen. Auch die Drücker eines Chronographen sind mit eigenen Ringen abgedichtet, und professionelle Taucheruhren besitzen mit dem Heliumventil ein weiteres abgedichtetes Bauteil. Jede zusätzliche Öffnung im Gehäuse braucht ihre eigene Dichtung.
Wie streng die Anforderungen an dichte Uhren sind, regeln eigene Normen. Dazu zählen die deutsche DIN 8310 und die internationale ISO 22810, die festlegen, unter welchen Bedingungen eine Uhr als wasserdicht gelten darf. Alle diese Vorgaben setzen intakte, korrekt montierte Dichtungen voraus.