Uhren-Lexikon · Gehäuse & Glas

Schraubboden

Ein Gehäuseboden, der ins Gehäuse eingeschraubt statt nur eingedrückt wird. Die Verschraubung presst eine Dichtung an und erhöht so die Wasserdichtigkeit.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Ein Schraubboden ist ein Gehäuseboden, der mit einem Gewinde ins Uhrengehäuse eingeschraubt wird, statt nur eingedrückt zu sein. Durch das Verschrauben wird eine Dichtung fest angepresst, was die Wasserdichtigkeit der Uhr deutlich erhöht. Der Schraubboden ist deshalb ein typisches Merkmal robuster und wasserdichter Uhren.

Was ein Schraubboden ist

Der Gehäuseboden schließt die Uhr auf der Rückseite ab und schützt das Werk vor Staub, Feuchtigkeit und Beschädigung. Für die Befestigung dieses Bodens gibt es mehrere Bauweisen. Beim Schraubboden trägt der Boden – oder das Gehäuse – ein Gewinde, über das er fest eingedreht wird. Anschließend sitzt er kraftschlüssig und presst eine ringförmige Dichtung zusammen.

Diese Dichtung ist meist ein Gummi- oder Kunststoffring (O-Ring), der in einer Nut liegt. Wird der Boden eingeschraubt, drückt er den Ring zusammen, sodass dieser die Fuge zwischen Boden und Gehäuse zuverlässig abdichtet. Genau dieses Anpressen ist der Grund, warum ein Schraubboden dichter hält als ein einfach eingedrückter Boden.

Wie der Schraubboden die Wasserdichtigkeit erhöht

Um zu verstehen, warum der Schraubboden so verbreitet ist, hilft der Vergleich mit dem eingedrückten Boden, dem sogenannten Druckboden. Ein Druckboden wird nur in das Gehäuse eingepresst und von der Spannung des Materials und einer Dichtung gehalten. Das genügt für Uhren mit geringen Anforderungen an die Dichtigkeit, stößt bei Wasserkontakt aber schnell an Grenzen.

Der Schraubboden dagegen erzeugt über das Gewinde eine hohe, gleichmäßige Anpresskraft rund um den ganzen Boden. Die Dichtung wird dadurch stark und gleichmäßig zusammengedrückt und hält auch dem Druck stand, der beim Schwimmen oder Tauchen auf die Uhr wirkt. In Kombination mit einer verschraubten Krone bildet der Schraubboden so die Grundlage für Uhren mit hoher Wasserdichtigkeit, wie sie etwa eine Taucheruhr nach der Norm ISO 6425 verlangt.

Öffnen, Service und worauf du achten solltest

Ein Schraubboden lässt sich nicht einfach mit einem Messer aufhebeln wie mancher Druckboden. Zum Öffnen braucht man ein passendes Werkzeug, meist einen Gehäuseöffner mit mehreren Anlagepunkten, der in die Kerben oder Aussparungen am Rand des Bodens greift. Das sollte man dem Uhrmacher überlassen, denn ohne das richtige Werkzeug lassen sich Boden und Gehäuse leicht verkratzen oder die Dichtung beschädigen.

Beim Service ist der Boden ein wichtiger Punkt. Damit die Uhr auch nach dem Öffnen wieder dicht ist, wird die alte Dichtung in der Regel durch eine neue Servicedichtung ersetzt und mit einem speziellen Fett behandelt. Anschließend prüft der Uhrmacher die Dichtigkeit. Für dich als Träger heißt das: Nach jedem Öffnen des Gehäuses – etwa für einen Batteriewechsel oder eine Revision – sollte die Wasserdichtigkeit neu geprüft werden, weil sie sich nicht von selbst versteht.

Einordnung: Schraubboden, Druckboden und Sichtboden

Ordnet man die gängigen Bodenarten ein, ergeben sich drei Grundtypen. Der Druckboden ist einfach und günstig, aber für hohe Dichtigkeit nur bedingt geeignet. Der Schraubboden bietet über sein Gewinde die beste Anpressung der Dichtung und ist die Wahl für wasserdichte und sportliche Uhren. Eine dritte Variante ist der mit mehreren kleinen Schrauben am Gehäuse befestigte Boden, der ebenfalls fest sitzt und häufig bei Uhren mit sichtbarem Werk zum Einsatz kommt.

Auch ein Sichtboden aus Glas kann als Schraubboden ausgeführt sein: Dann ist ein Ring mit eingesetztem Glas ins Gehäuse geschraubt, der den Blick auf das Werk freigibt und trotzdem dicht hält. Insgesamt ist der Schraubboden damit ein unauffälliges, aber entscheidendes Detail – er trägt maßgeblich dazu bei, dass eine Uhr Wasser, Staub und Druck standhält, ohne dass man ihn im Alltag überhaupt bemerkt.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Schraubboden und Druckboden?

Ein Schraubboden wird über ein Gewinde ins Gehäuse eingedreht und presst dabei eine Dichtung fest an. Ein Druckboden wird nur eingedrückt und von der Materialspannung gehalten. Der Schraubboden hält deutlich besser dicht und ist deshalb bei wasserdichten und sportlichen Uhren üblich, während der Druckboden vor allem bei einfacheren Modellen vorkommt.

Macht ein Schraubboden eine Uhr automatisch wasserdicht?

Nein. Der Schraubboden ist eine wichtige Voraussetzung, aber nicht die einzige. Die Uhr ist nur dann dicht, wenn auch Krone, Glas und alle Dichtungen intakt sind und richtig sitzen. Zudem lässt die Dichtwirkung mit der Zeit nach. Deshalb sollte die Wasserdichtigkeit nach jedem Öffnen und in gewissen Abständen geprüft werden.

Kann ich einen Schraubboden selbst öffnen?

Grundsätzlich ja, mit dem passenden Gehäuseöffner. Ohne das richtige Werkzeug ist aber davon abzuraten, weil man leicht abrutscht und Boden oder Gehäuse verkratzt. Außerdem muss die Dichtung nach dem Öffnen fachgerecht geprüft, gefettet oder ersetzt werden, damit die Uhr wieder dicht wird. Im Zweifel ist der Gang zum Uhrmacher die sichere Wahl.