Wasserdichtigkeit bei Uhren: Was ATM und Bar wirklich bedeuten
Auf fast jeder Uhr steht eine Zahl: 3 ATM, 5 bar, „100 m water resistant". Und kaum eine Angabe wird so oft missverstanden. Die naheliegende Annahme – „100 Meter, also kann ich damit 100 Meter tief tauchen" – ist leider falsch und hat schon vielen Uhren das Leben gekostet.
In diesem Ratgeber erklären wir dir ohne Fachchinesisch, was die Angaben tatsächlich bedeuten, mit welcher Uhr du bedenkenlos schwimmen, duschen oder tauchen kannst – und warum die Meter-Angabe eher ein Laborwert als eine echte Tauchtiefe ist. Am Ende weißt du genau, was deine eigene Uhr abkann und was nicht.
ATM, Bar und Meter – erst mal die Einheiten
Die drei Angaben meinen im Grunde dasselbe, nur in unterschiedlichen Einheiten:
- ATM (Atmosphäre) und bar sind praktisch gleichwertig: 1 ATM ≈ 1 bar.
- 1 bar entspricht ungefähr dem Wasserdruck in 10 Metern Tiefe.
- Ab und zu findest du auch PSI (angloamerikanisch): 1 bar ≈ 14,5 PSI – für den Alltag kannst du das ignorieren.
Eine Uhr mit „5 ATM" wurde also im Labor einem Druck ausgesetzt, der rechnerisch 50 Metern Wassertiefe entspricht. Klingt nach viel. Der Haken kommt jetzt.
Wichtig zu wissen: Diese Zahl ist keine Marketing-Erfindung, sondern beruht auf einer Norm – der ISO 22810 für „wasserdichte Uhren" (früher ISO 2281). Sie legt fest, wie geprüft wird. Aber sie prüft eben unter definierten, ruhigen Bedingungen – und genau das ist der Unterschied zur Realität am Handgelenk.
Wo steht die Wasserdichtigkeit – und wie liest du sie?
Die Angabe findest du fast immer auf dem Gehäuseboden, manchmal zusätzlich auf dem Zifferblatt. Übliche Schreibweisen sind „5 ATM", „5 bar", „50 m" oder englisch „Water Resistant 50 m". Alle meinen dasselbe.
Ein wichtiger Sonderfall: Steht dort nur „Water Resistant" ohne Zahl, bedeutet das lediglich, dass die Uhr gegen einzelne Spritzer geschützt ist – nicht mehr. Behandle sie wie eine Uhr im untersten 3-ATM-Bereich: Regen und Händewaschen sind okay, alles andere nicht.
Findest du gar keine Angabe, geh vom schlechtesten Fall aus und halte die Uhr grundsätzlich vom Wasser fern. Das gilt besonders für flache Dresswatches und dünne Anzuguhren, die konstruktiv oft nur minimal abgedichtet sind. Und noch einmal wichtig: Die aufgedruckte Zahl beschreibt den Auslieferungszustand. Wie lange sie real gilt, hängt vom Alter und Zustand der Dichtungen ab.
Warum die Meter-Angabe kein Tauchtiefen-Versprechen ist
Der Wert wird unter statischen Laborbedingungen ermittelt: Die Uhr liegt ruhig in einer Druckkammer, bei konstanter Temperatur, mit fabrikneuen Dichtungen. Im echten Leben ist Wasser aber selten ruhig – und dein Arm auch nicht.
Sobald du dich bewegst, entstehen kurzzeitige Druckspitzen, die deutlich über dem statischen Wert liegen: der Schwung des Arms beim Kraulen, der Aufprall beim Köpfer ins Becken, der harte Strahl der Dusche. Ein Beispiel zum Vorstellen: Ein kräftiger Armzug oder ein Sprung ins Wasser kann für Sekundenbruchteile einen Druck erzeugen, der mehreren zusätzlichen bar entspricht – obwohl du nur an der Oberfläche bist. Diese dynamischen Belastungen sind der Grund, warum die Faustregeln bewusst konservativ sind. Die Meter-Zahl ist also ein Sicherheits- und Prüfwert, keine Einladung zum Tauchen.
Dazu kommen zwei Faktoren, die keine Zahl auf dem Gehäuseboden abbildet: Wärme und Alter (dazu unten mehr). Beide senken die reale Belastbarkeit teils drastisch – eine zehn Jahre alte 100-m-Uhr mit versprödeten Dichtungen ist real vielleicht nicht einmal mehr spritzwasserdicht.
Was eine Uhr überhaupt wasserdicht macht
Um zu verstehen, warum Wasserdichtigkeit vergänglich ist, hilft ein Blick auf die Bauteile, die das Wasser draußen halten. Eine Uhr ist an mehreren Stellen offen – und jede dieser Stellen wird durch eine Dichtung verschlossen:
- Die Dichtungen (O-Ringe). Kleine Ringe aus Gummi oder Kunststoff sitzen am Gehäuseboden, an der Krone, unter dem Glas und an den Drückern. Sie sind das eigentliche Bollwerk – und gleichzeitig Verschleißteile, die mit der Zeit hart und spröde werden.
- Der Gehäuseboden. Er ist entweder aufgedrückt (günstig, für Alltagsuhren), verschraubt mit einem Gewinde (dichter) oder mit mehreren Schrauben fixiert. Verschraubte Böden halten mehr Druck.
- Die Krone. Die größte bewegliche Öffnung. Sie ist entweder gesteckt (Push-Pull) oder verschraubt – dazu gleich mehr.
- Das Glas. Es sitzt mit Spannung oder mit einer Dichtung im Gehäuse. Ein Sprung im Glas hebt die Wasserdichtigkeit sofort auf.
Übrigens sagt das Glasmaterial selbst – ob Saphir, Mineralglas oder Kunststoff – nichts über die Wasserdichtigkeit aus. Entscheidend ist, wie das Glas eingefasst und abgedichtet ist, nicht wie kratzfest es ist: Auch das beste Saphirglas nützt nichts, wenn die Dichtung darunter porös geworden ist.
Weil all das an Gummidichtungen hängt, ist Wasserdichtigkeit kein fester Materialwert wie „Edelstahl", sondern ein Zustand, der gepflegt werden muss. Genau deshalb verlieren Uhren sie mit den Jahren.
Die Wasserdichtigkeits-Tabelle: Was ist erlaubt?
| Angabe | ca. Tiefe | Regen & Händewaschen | Duschen | Schwimmen | Schnorcheln | Tauchen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Keine Angabe / „Water Resistant" | – | ⚠️ nur Spritzer | ✕ | ✕ | ✕ | ✕ |
| 3 ATM / 30 m | 30 m | ✓ | ✕ | ✕ | ✕ | ✕ |
| 5 ATM / 50 m | 50 m | ✓ | ✕ (eher nein) | ✓ kurz | ✕ | ✕ |
| 10 ATM / 100 m | 100 m | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✕ |
| 20 ATM / 200 m | 200 m | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ (Freizeit) |
| Diver's 200 m+ (ISO 6425) | 200 m+ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
Kurz zusammengefasst: Unter 5 ATM gehört keine Uhr ins Wasser. Ab 10 ATM darfst du schwimmen und schnorcheln. Ernsthaft tauchen solltest du nur mit einer echten Taucheruhr – erkennbar am Schriftzug „Diver's" und der Norm ISO 6425 (die vorschreibt, dass jede einzelne Uhr geprüft wird, nicht nur ein Stichprobenmodell).
Ein Hinweis zur Tabelle: Die Häkchen gelten für Uhren in gutem Zustand mit intakten Dichtungen. Sie sind kein Freibrief für eine alte oder ungewartete Uhr. Und die „⚠️"-Zeile ist ernst gemeint – eine Uhr ganz ohne Angabe darf höchstens Spritzer abbekommen, sonst nichts.
Die Wasserdichtigkeit im Alltag: konkrete Situationen
Grau ist alle Theorie – hier die häufigsten Alltagsfragen auf einen Blick. Die Empfehlungen gehen von einer Uhr in gutem Zustand mit intakten Dichtungen aus:
| Situation | Ab welcher Angabe unbedenklich? |
|---|---|
| Im Regen tragen, Hände waschen | ab 3 ATM |
| Abwasch, Küche, gelegentliche Spritzer | ab 5 ATM (Wärme meiden) |
| Bahnen schwimmen im Freibad | ab 10 ATM |
| Schnorcheln, Sprung ins Wasser | ab 10 ATM |
| Wassersport (Jetski, Wakeboard) | 20 ATM oder Taucheruhr |
| Gerätetauchen | Taucheruhr nach ISO 6425 |
| Duschen | grundsätzlich abnehmen |
| Sauna, Whirlpool, heißes Bad | grundsätzlich abnehmen |
Zwei Faktoren tauchen in dieser Liste immer wieder auf: Wärme und Wucht. Beim Duschen und in der Sauna ist es die Temperatur, beim Wassersport der harte Aufprall. In beiden Fällen hilft die reine Meterzahl nicht weiter – hier zählt gesunder Menschenverstand mehr als die Zahl auf dem Boden.
5, 10 oder 20 ATM: Welche Wasserdichtigkeit brauchst du wirklich?
Beim Kauf stellt sich die Frage, wie viel Wasserdichtigkeit sinnvoll ist. Mehr ist nicht automatisch besser – es geht um den Einsatzzweck:
- 3 ATM (30 m): typisch für elegante, flache Uhren. Reicht für den Büroalltag, verzeiht aber keinen echten Wasserkontakt. Bewusst wählen, wenn Optik vor Funktion geht.
- 5 ATM (50 m): solider Alltagsstandard. Regen, Händewaschen und ein gelegentliches, kurzes Bad im Süßwasser sind okay – regelmäßiges Schwimmen eher nicht.
- 10 ATM (100 m): der Wohlfühlbereich für alle, die ihre Uhr auch beim Schwimmen und Schnorcheln nicht abnehmen wollen. Für die meisten Menschen die vernünftigste Wahl.
- 20 ATM (200 m) und mehr: Reserve für Wassersport und ernsthaftes Tauchen. Solche Uhren haben fast immer eine verschraubte Krone und sind robust gebaut – top, wenn du die Sicherheit willst, für den reinen Bürojob aber überdimensioniert.
Unser praktischer Rat: Für eine Uhr, die im Alltag alles mitmachen soll, sind 10 ATM der beste Kompromiss aus Sorglosigkeit und Tragekomfort. Wer wirklich taucht, kommt an einer geprüften Taucheruhr ohnehin nicht vorbei. Welche Gehäusegröße dabei zu deinem Handgelenk passt, kannst du vorab mit dem Passform-Rechner prüfen.
Verschraubte oder gedrückte Krone – der wichtige Unterschied
Die Krone entscheidet in der Praxis oft mehr über die Dichtigkeit als die Meterzahl. Es gibt zwei Bauarten:
- Gesteckte Krone (Push-Pull). Sie wird nur herausgezogen und wieder eingedrückt. Die Dichtung sitzt im Inneren. Üblich bei Uhren bis etwa 5–10 ATM. Bequem, aber weniger sicher unter Druck.
- Verschraubte Krone (Screw-Down). Sie hat ein Gewinde und wird nach dem Stellen ins Gehäuse festgeschraubt. Standard bei Taucheruhren und höheren Wasserdichtigkeiten. Nur im festgeschraubten Zustand ist die Uhr wirklich dicht.
Der praktische Merksatz lautet: Eine verschraubte Krone, die nicht zugedreht ist, ist ein offenes Scheunentor – egal, ob 100 oder 300 Meter draufstehen. Nach jedem Aufziehen oder Stellen also die Krone wieder vollständig eindrücken und, wo vorhanden, festschrauben. Wie das beim Aufziehen konkret abläuft, zeigt der Artikel Automatikuhr richtig aufziehen.
ISO 22810 und ISO 6425: die zwei Normen, die zählen
Zwei internationale Normen stecken hinter den Angaben – und ihr Unterschied erklärt, warum nicht jede „200-m-Uhr" eine echte Taucheruhr ist.
ISO 22810 ist die allgemeine Norm für wasserdichte Uhren. Sie definiert, wie eine Uhr geprüft wird, damit sie eine Meter-Angabe tragen darf. Die Prüfung erfolgt hier oft als Stichprobe – nicht zwingend an jedem einzelnen Exemplar.
ISO 6425 ist die strengere Norm speziell für Taucheruhren. Sie verlangt deutlich mehr, unter anderem:
- Prüfung jeder einzelnen Uhr (nicht nur Stichproben),
- Test bei 125 % des angegebenen Drucks (eine als 200 m ausgewiesene Uhr wird also bei 250 m Äquivalent geprüft),
- Beständigkeit gegen Salzwasser, Magnetfelder, Stöße und Temperaturwechsel,
- eine im Dunkeln ablesbare Zeitanzeige und eine einseitig drehbare Lünette zur Kontrolle der Tauchzeit.
Nur eine Uhr, die ISO 6425 erfüllt, darf den Schriftzug „Diver's" tragen. Steht auf deiner Uhr nur „200 m" ohne diesen Zusatz, ist sie für Schwimmen und Schnorcheln bestens geeignet – für regelmäßiges Gerätetauchen greifst du besser zu einer geprüften Taucheruhr. Welche Modelle sich für den Einstieg eignen, findest du in unserem Ratgeber zu Taucheruhren für Einsteiger.
Der Sonderfall Duschen und Sauna: Finger weg – fast immer
Hier scheitern die meisten Uhren, obwohl die Meter-Angabe eigentlich reichen würde. Der Grund ist nicht der Druck, sondern die Temperatur:
- Warmes Wasser lässt Metall und Dichtungen sich ausdehnen und wieder zusammenziehen. In diesen winzigen, kurz entstehenden Spalten kann Wasser – vor allem als Dampf – eindringen.
- Seife, Shampoo und Öle greifen die Gummidichtungen an und lassen sie schneller altern. Was einmal spröde ist, dichtet nicht mehr zuverlässig.
- Sauna und heißes/kaltes Wechselbad sind der härteste Fall – der Temperaturschock ist Gift für jede Dichtung. Der Sprung von der Sauna ins kalte Tauchbecken bringt selbst gute Uhren an die Grenze.
Unsere ehrliche Empfehlung: Nimm die Uhr zum Duschen und in die Sauna grundsätzlich ab – unabhängig davon, was auf dem Boden steht. Es ist der billigste Wasserschaden-Schutz, den es gibt, und er kostet dich zehn Sekunden.
Salzwasser, Chlor und Seife: nach dem Baden richtig handeln
Wenn die Uhr im Wasser war, entscheidet die Nachsorge über ihre Lebensdauer:
- Salzwasser ist besonders aggressiv. Salz kristallisiert beim Trocknen aus und setzt sich in Krone, Lünette und Faltschließe fest – dort wirkt es wie Schmirgel und fördert Korrosion. Nach dem Meer die Uhr deshalb kurz unter klarem, lauwarmem Süßwasser abspülen und trockentupfen.
- Chlorwasser aus dem Schwimmbad ist milder, greift aber Dichtungen und manche Bänder auf Dauer an. Auch hier schadet kurzes Abspülen nie.
- Die Lünette einer Taucheruhr solltest du nach dem Salzwasser einige Male hin- und herdrehen, während du sie abspülst, damit das Salz aus dem Mechanismus gespült wird.
Kleiner, wichtiger Zusatz: Bediene Krone und Drücker niemals, solange die Uhr nass ist. Du ziehst sonst Wasser direkt ins Gehäuse.
Vor dem Strandurlaub: die kurze Checkliste
Bevor die Uhr mit in den Urlaub kommt, lohnt sich ein kurzer Check – gerade, wenn sie ins Wasser soll:
- Druckprüfung machen lassen, wenn die Uhr regelmäßig ins Wasser kommt oder länger nicht geprüft wurde. Das kostet wenig und gibt Sicherheit.
- Krone kontrollieren: Bei verschraubter Krone auf ein leichtgängiges, sauberes Gewinde achten – und sie unterwegs konsequent festschrauben.
- Bandwahl überdenken: Für Strand und Pool sind ein Kautschuk- oder Textilband praktischer und pflegeleichter als Leder, das Salzwasser gar nicht verträgt.
- Nach dem Baden abspülen: Etwas Süßwasser gegen Salz und Chlor bereithalten und die Uhr nach jedem Kontakt kurz abspülen und trockentupfen.
- Im Zweifel abnehmen: Beim Sprung vom Steg, beim Beachvolleyball oder in der Strandbar ist die Uhr in der Tasche sicherer als am Arm.
Chronographen-Drücker und Lünette unter Wasser
Ein häufiger Irrtum betrifft Chronographen (Stoppuhren). Selbst wenn ein Chronograph 100 oder 200 Meter wasserdicht ist, dürfen die Drücker unter Wasser in der Regel nicht betätigt werden – es sei denn, sie sind ausdrücklich als verschraubte oder druckfeste Drücker ausgewiesen. Beim Drücken öffnest du sonst einen Weg ins Werk.
Die Lünette dagegen darf und soll bei Taucheruhren unter Wasser gedreht werden – sie ist genau dafür gemacht, dient der Zeitkontrolle und lässt sich (nach ISO 6425 einseitig) auch mit Handschuhen bedienen.
Wasser in der Uhr: Anzeichen und Sofortmaßnahmen
Manchmal geht es trotz allem schief. Diese Zeichen deuten auf eingedrungene Feuchtigkeit:
- Beschlag oder Kondenströpfchen an der Innenseite des Glases – das eindeutigste Signal.
- Ein beschlagenes Zifferblatt oder Feuchtigkeitsränder.
- Plötzlich stehende oder springende Zeiger, weil Feuchtigkeit das Werk erreicht.
Wenn du so etwas siehst, zählt jede Stunde – Feuchtigkeit im Werk führt zu Rost und dauerhaften Schäden. So handelst du richtig:
- Krone ziehen (bzw. bei verschraubter Krone lösen und herausziehen), um die Uhr zu öffnen und Luft an das Werk zu lassen. Bei einer Quarzuhr zusätzlich baldmöglichst die Batterie ausbauen lassen, damit kein Kurzschluss Korrosion beschleunigt.
- Die Uhr warm und trocken lagern – zum Beispiel in einem verschlossenen Beutel mit Silikagel oder ungekochtem Reis. Keine direkte Hitze (Heizung, Fön, Backofen): Das schadet mehr, als es hilft.
- So schnell wie möglich zum Uhrmacher. Oberflächlicher Beschlag lässt sich oft noch retten; sitzt die Feuchtigkeit erst im Werk, wird es teuer. Was so ein Eingriff kostet, ordnen wir im Ratgeber Uhr reparieren & warten lassen ein.
Die häufigsten Fehler
- Die Krone nicht eingedrückt / nicht verschraubt. Bei Uhren mit verschraubter Krone (bei Taucheruhren Standard) ist die Uhr nur dicht, wenn die Krone vollständig eingeschraubt ist. Eine herausgezogene Krone ist ein offenes Scheunentor.
- Die Krone unter Wasser bedienen. Zeit oder Datum niemals verstellen, solange die Uhr nass ist.
- Alte Dichtungen ignorieren. Gummidichtungen sind Verschleißteile. Sie werden hart und spröde – bei einer 10 Jahre alten Uhr sagt die aufgedruckte Zahl nichts mehr über die reale Dichtigkeit aus.
- Nach dem Batteriewechsel keine Druckprüfung. Das Gehäuse wurde geöffnet – ohne neue Prüfung ist die Dichtigkeit reine Hoffnung.
- Chronographen-Drücker unter Wasser betätigen. Sofern nicht ausdrücklich dafür freigegeben, ein direkter Weg für Wasser ins Werk.
Wartung: Wie du die Dichtigkeit erhältst
Wasserdichtigkeit ist kein Dauerzustand, sondern Wartungssache:
- Dichtungen sollten bei einer regulären Revision (typischerweise alle paar Jahre) mit erneuert werden. Sie kosten wenig und sind der einzige Weg, die Dichtigkeit wirklich wiederherzustellen.
- Eine Druckprüfung beim Uhrmacher ist günstig und schnell. Sinnvoll ist sie vor dem Urlaub, nach einem Batteriewechsel (das Gehäuse wurde geöffnet!) und generell einmal jährlich bei Uhren, die regelmäßig ins Wasser kommen.
- Nach Kontakt mit Salzwasser die Uhr kurz mit klarem Süßwasser abspülen und abtrocknen.
Kurz zur Druckprüfung selbst, weil oft danach gefragt wird: Der Uhrmacher testet meist zuerst trocken mit Luft- oder Vakuumdruck (dabei wird das Gehäuse belastet und auf minimale Verformung gemessen – ohne Wasserkontakt). Erst wenn nötig folgt ein Nasstest in einer Wasserkammer, bei dem aufsteigende Luftbläschen ein Leck verraten. Der Trockentest hat den Vorteil, dass eine undichte Uhr gar nicht erst nass wird.
Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Nach jedem Batteriewechsel wurde das Gehäuse geöffnet. Ohne anschließende neue Dichtung und Druckprüfung ist die Wasserdichtigkeit nicht mehr garantiert.
Wasserdichtigkeit bei Vintage- und Erbstück-Uhren
Bei alten Uhren gilt eine einfache Regel: Behandle sie so, als wären sie gar nicht wasserdicht – bis das Gegenteil geprüft ist. Gründe:
- Die Dichtungen sind oft Jahrzehnte alt, hart und ohne jede Funktion.
- Alte Gehäusekonstruktionen (etwa gedrückte Böden ohne moderne O-Ringe) waren nie für dauerhaften Wasserkontakt gedacht.
- Ersatzdichtungen sind für manche alten Modelle schwer zu bekommen.
Eine geerbte oder gebraucht gekaufte Uhr gehört deshalb vor dem ersten Wasserkontakt zur Druckprüfung und, falls möglich, zur Dichtungserneuerung. Bis dahin: kein Regen, kein Händewaschen mit der Uhr am Arm. Mehr zum sicheren Kauf gebrauchter Uhren findest du unter gebrauchte Uhren kaufen.
Drei hartnäckige Mythen zur Wasserdichtigkeit
Rund um das Thema halten sich ein paar Irrtümer besonders zäh. Wer sie kennt, trifft die richtigen Entscheidungen fast von allein:
Mythos 1: „Einmal wasserdicht, immer wasserdicht."
Falsch. Wasserdichtigkeit hängt an Gummidichtungen, die altern. Eine Uhr, die vor fünf Jahren dicht war, kann es heute längst nicht mehr sein – ohne dass man ihr das von außen ansieht.
Mythos 2: „Mehr Meter heißt bessere Uhr."
Nein. Die Meterzahl sagt nur etwas über den Einsatzzweck, nicht über die Qualität. Eine feine 3-ATM-Dresswatch kann hochwertiger und teurer sein als eine robuste 20-ATM-Sportuhr – sie ist nur für etwas anderes gemacht.
Mythos 3: „Warmes Wasser ist harmlos, es ist ja nur an der Oberfläche."
Gerade warmes Wasser ist das Problem. Temperatur lässt Dichtungen arbeiten, Seife lässt sie altern – deshalb ist die tägliche Dusche für viele Uhren gefährlicher als ein Sprung ins kühle Becken.
Mythos 4: „Die Uhr war beim Kauf geprüft, das reicht für immer."
Die Werksprüfung gilt für den Neuzustand. Nach dem ersten Batteriewechsel, nach Jahren am Handgelenk oder nach einem Sturz sagt sie nichts mehr aus. Wasserdichtigkeit ist eine Momentaufnahme, kein Zertifikat für die Ewigkeit.
Fazit
Die Zahl auf deiner Uhr ist ein Laborwert unter Idealbedingungen – kein Freibrief. Als Faustregel reichen für den Alltag 5 ATM, zum Schwimmen und Schnorcheln solltest du 10 ATM haben, und zum Tauchen eine echte Taucheruhr nach ISO 6425. Nimm die Uhr zum Duschen und in die Sauna ab, halte die Krone geschlossen, spüle sie nach dem Salzwasser ab, und lass die Dichtungen alle paar Jahre prüfen. Dann bleibt deine Uhr dicht – egal, wie alt sie ist.
Tipp: Du weißt nicht, ob eine bestimmte Uhr überhaupt zu deinem Handgelenk passt? Probier unseren Passform-Rechner aus. Wie oft eine Revision wirklich nötig ist, erklären wir im Ratgeber „Uhr reparieren und warten lassen". Und einen schnellen Überblick über die ganze Uhrenpflege gibt der Pflege-Hub.
Häufige Fragen
Ist eine Uhr mit 3 ATM wasserdicht?
Nur gegen Spritzwasser. Mit 3 ATM (30 m) darfst du im Regen unterwegs sein und die Hände waschen – aber nicht schwimmen, duschen oder baden.
Kann ich mit einer 5-ATM-Uhr schwimmen?
Kurzes Schwimmen im Süßwasser ist meist unproblematisch, sofern die Dichtungen intakt sind. Für regelmäßiges Schwimmen, Sprünge ins Wasser oder Schnorcheln solltest du aber lieber 10 ATM wählen. Duschen ist wegen der Wärme trotzdem nicht empfehlenswert.
Warum darf ich mit einer 100-m-Uhr nicht 100 Meter tief tauchen?
Weil die Angabe ein statischer Laborwert ist. Bewegung, Temperatur und alternde Dichtungen reduzieren die reale Belastbarkeit deutlich. Zum Tauchen ist eine geprüfte Taucheruhr (ISO 6425, praktisch mindestens 200 m) gedacht.
Warum soll ich die Uhr zum Duschen abnehmen, obwohl sie wasserdicht ist?
Nicht der Druck ist das Problem, sondern die Hitze und die Seife. Warmes Wasser lässt Dichtungen arbeiten, Seifen und Öle lassen sie schneller altern. Deshalb: zum Duschen und in die Sauna abnehmen.
Was bedeutet der Unterschied zwischen verschraubter und gedrückter Krone?
Eine gedrückte (gesteckte) Krone wird nur eingedrückt, eine verschraubte zusätzlich ins Gehäuse gedreht. Verschraubte Kronen halten mehr Druck und sind bei Taucheruhren Standard – aber nur, wenn sie nach dem Stellen wieder vollständig festgeschraubt sind.
Meine Uhr ist innen beschlagen – was tun?
Das ist eingedrungene Feuchtigkeit. Krone ziehen, Uhr trocken und warm lagern (Silikagel oder Reis, keine direkte Hitze) und so schnell wie möglich zum Uhrmacher. Bei Quarzuhren zusätzlich die Batterie ausbauen lassen, um Korrosion zu bremsen.
Wie oft sollte ich die Wasserdichtigkeit prüfen lassen?
Einmal jährlich bei Uhren, die ins Wasser kommen, sowie nach jedem Öffnen des Gehäuses (z. B. Batteriewechsel) und vor dem Urlaub. Eine Druckprüfung beim Uhrmacher ist günstig und schnell.
Ist eine alte, geerbte Uhr noch wasserdicht?
Verlass dich nicht darauf. Alte Dichtungen sind praktisch immer hart und undicht. Lass eine Vintage-Uhr vor dem ersten Wasserkontakt prüfen und die Dichtungen erneuern – bis dahin behandelst du sie am besten wie eine nicht wasserdichte Uhr.
Neutral und unabhängig verfasst · von der Uhren-Experte-Redaktion fachlich geprüft · keine bezahlten Herstellerinhalte. Angaben nach gängiger Uhrmacher-Praxis und den Normen ISO 22810 / ISO 6425; im Zweifel gilt immer die Herstellerangabe deiner konkreten Uhr.