Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Unruh

Das schwingende Rad, das mit der Spiralfeder das Taktgeber-System (das Herz) einer mechanischen Uhr bildet.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Die Unruh ist das schwingende Rad im Inneren einer mechanischen Uhr. Zusammen mit der Spiralfeder bildet sie den Taktgeber, also das eigentliche Herz des Werks, das den Gang der Uhr bestimmt. Ohne diese gleichmäßige Schwingung könnte eine mechanische Uhr die Zeit nicht in regelmäßige Abschnitte teilen.

Was die Unruh ist

Die Unruh ist ein kleines, sorgfältig ausgewuchtetes Rad, das auf einer feinen Achse, der Unruhwelle, gelagert ist. Anders als die übrigen Räder im Werk dreht sie sich nicht durch, sondern schwingt hin und her, immer ein Stück in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Dieses beständige Hin und Her gibt dem Bauteil seinen Namen.

Die Kraft dazu kommt aus der Spiralfeder, einer hauchfeinen Feder, die die Unruh nach jeder Auslenkung wieder in die Ausgangslage zurückzieht. Unruh und Spiralfeder gehören untrennbar zusammen: Die Unruh liefert die Masse, die Spiralfeder die Rückstellkraft. Gemeinsam bilden sie ein schwingfähiges System, das einem Pendel ähnelt und die Grundlage jeder mechanischen Zeitmessung ist.

Wie die Unruh schwingt

Damit die Schwingung nicht von allein ausläuft, bekommt die Unruh in jedem Takt einen kleinen Anstoß. Diesen liefert die Hemmung, die die gespeicherte Energie der Zugfeder in winzigen, dosierten Portionen an die Unruh weitergibt und deren Schwingungen zugleich zählt. So bleibt die Unruh in Bewegung, und aus ihren gleichmäßigen Schwingungen entsteht der Takt der Uhr.

Wie schnell die Unruh schwingt, beschreibt die Frequenz. Übliche Werte liegen bei mehreren Schwingungen pro Sekunde; eine höhere Frequenz lässt den Sekundenzeiger ruhiger gleiten. Wie weit die Unruh dabei ausschlägt, gibt die Amplitude an, also der Winkel ihrer Auslenkung. Eine gesunde Amplitude gilt als Zeichen dafür, dass genügend Energie ankommt und das Werk sauber läuft. Frequenz und Amplitude sind daher zwei der wichtigsten Kennwerte, wenn man den Zustand eines Werks beurteilt.

Was den Gang der Unruh beeinflusst

Die Unruh ist ein feines Präzisionsbauteil und reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse. Der wohl bekannteste ist der Magnetismus. Er wirkt vor allem auf die Spiralfeder, deren Windungen bei Magnetisierung aneinanderhaften können, was die Uhr merklich zu schnell laufen lässt. Auch Temperaturschwankungen können den Gang verändern, weil sie die Eigenschaften von Unruh und Spirale beeinflussen.

Ein weiterer kritischer Punkt sind Stöße. Die Enden der Unruhwelle laufen in sehr dünnen Spitzen, die bei einem Sturz brechen könnten. Deshalb sitzt die Unruhwelle in einer federnden Stoßsicherung wie dem Incabloc, die diese empfindlichen Zapfen schützt. Um Temperatur- und Magnetfeldeinflüsse gering zu halten, bestehen die Bauteile aus besonderen Werkstoffen; für die Spiralfeder kommt etwa die Legierung Nivarox zum Einsatz, und die Unruh selbst wird oft aus speziellen, formstabilen Legierungen gefertigt.

Regulierung und Einordnung

Die Ganggenauigkeit einer Uhr lässt sich über die Unruh feinjustieren. Bei vielen Werken geschieht das mit einem Rücker, einem kleinen Hebel, der die wirksame Länge der Spiralfeder verändert und die Uhr so schneller oder langsamer stellt. Hochwertigere Werke regulieren stattdessen oder zusätzlich über kleine Gewichte oder Schrauben am Unruhreif, was eine besonders feinfühlige Einstellung erlaubt.

Damit lässt sich die Unruh gut einordnen: Sie ist der Taktgeber, der über die Genauigkeit der ganzen Uhr entscheidet. Alle anderen Bauteile, von der Zugfeder über das Räderwerk bis zur Hemmung, arbeiten letztlich darauf hin, diese eine Schwingung möglichst gleichmäßig in Gang zu halten. Kein anderes Teil hat einen so unmittelbaren Einfluss darauf, ob eine mechanische Uhr genau geht.

Häufige Fragen (FAQ)

Was macht die Unruh in einer Uhr?

Die Unruh ist das schwingende Rad, das zusammen mit der Spiralfeder den Takt vorgibt. Sie schwingt gleichmäßig hin und her und teilt so die Zeit in regelmäßige Abschnitte. Von der Gleichmäßigkeit dieser Schwingung hängt die Ganggenauigkeit der ganzen Uhr ab.

Warum reagiert die Unruh empfindlich auf Magnetismus?

Magnetfelder wirken vor allem auf die feine Spiralfeder. Ihre Windungen können durch Magnetisierung aneinanderhaften, wodurch die Feder kürzer wirkt und die Uhr zu schnell läuft. Moderne Werkstoffe für die Spirale mindern diesen Effekt, heben ihn aber nicht immer vollständig auf.

Wie wird die Genauigkeit über die Unruh eingestellt?

Meist über einen Rücker, der die wirksame Länge der Spiralfeder verändert und die Uhr schneller oder langsamer stellt. Feinere Werke nutzen kleine Gewichte oder Schrauben am Unruhreif. So lässt sich der Gang präzise auf wenige Sekunden pro Tag justieren.