Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Ankerhemmung

Das häufigste Hemmungssystem mechanischer Uhren: Der Anker gibt die Energie der Feder in gleichmäßigen Portionen an die Unruh ab – das typische Ticken der Uhr.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Die Ankerhemmung ist das mit Abstand häufigste Hemmungssystem mechanischer Uhren. Sie sorgt dafür, dass die im Werk gespeicherte Energie nicht auf einen Schlag verpufft, sondern in gleichmäßigen, kleinen Portionen an die Unruh abgegeben wird. Bei jeder dieser Portionen entsteht das charakteristische Ticken, das wir mit einer mechanischen Uhr verbinden. In ihrer verbreitetsten Form wird sie auch Schweizer Ankerhemmung genannt.

Was die Ankerhemmung genau ist

Die Ankerhemmung ist eine spezielle Bauform der Hemmung, also jenes Bauteils, das den Energiefluss im Werk kontrolliert. Ihren Namen verdankt sie dem zentralen Bauteil, dem Anker, der in seiner Form entfernt an einen Schiffsanker erinnert. Dieser Anker sitzt zwischen dem Ankerrad und der Unruh und vermittelt zwischen beiden. Er ist das verbindende Glied, das die Kraft dosiert weitergibt. Im Englischen heißt die Ankerhemmung lever escapement, also Hebelhemmung, was die Rolle des Ankers als Hebel gut beschreibt.

Historisch geht die Ankerhemmung auf Entwicklungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Als Erfinder der Grundidee gilt der englische Uhrmacher Thomas Mudge. Aus seiner Konstruktion entwickelte sich über die Jahrzehnte die heute übliche Schweizer Ankerhemmung, die sich wegen ihrer Zuverlässigkeit und guten Herstellbarkeit weltweit durchsetzte.

Wie die Ankerhemmung funktioniert

Das Zusammenspiel läuft in einem festen Rhythmus ab. Das Ankerrad wird vom Räderwerk angetrieben, das seine Energie letztlich aus der gespannten Zugfeder bezieht. Der Anker blockiert das Ankerrad zunächst mit einem seiner beiden Palettensteine, sodass das Rad stillsteht. Schwingt die Unruh nun heran, stößt sie den Anker an und gibt das Rad frei. Das Rad dreht sich ein kleines Stück weiter und überträgt dabei über den Anker einen Impuls zurück an die Unruh, der ihre Schwingung am Leben hält.

Unmittelbar danach fängt der andere Palettenstein das Rad wieder ab, und der Vorgang wiederholt sich spiegelbildlich. Dieses ständige Sperren und Freigeben erzeugt das typische Tick-Tack. Ein wichtiges Merkmal ist dabei, dass die Unruh während des größten Teils ihrer Schwingung frei und ungestört pendelt. Fachleute sprechen deshalb von einer ruhenden oder abgelösten Hemmung, was der Amplitude und der Ganggenauigkeit zugutekommt. Zwischen dem Sperren und dem Freigeben liegen dabei nur Sekundenbruchteile, sodass sich der gesamte Vorgang für das Auge zu einem gleichmäßigen Lauf des Sekundenzeigers verbindet.

Warum die Ankerhemmung so verbreitet ist

Die große Stärke der Ankerhemmung liegt in ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit. Sie ist selbstanlaufend, das heißt, die Uhr beginnt nach dem Aufziehen von allein zu schwingen. Zudem ist sie unempfindlich gegenüber Erschütterungen und lässt sich in großen Stückzahlen präzise fertigen. Diese Kombination aus Genauigkeit, Serientauglichkeit und Wartungsfreundlichkeit hat sie zum Standard in praktisch allen mechanischen Uhren gemacht, vom günstigen Einsteigermodell bis zur teuren Manufaktur-Uhr.

Für dich als Träger bedeutet das vor allem Verlässlichkeit. Eine Ankerhemmung arbeitet über viele Jahre stabil, solange das Werk regelmäßig gewartet wird. Ihre Bauteile sind gut verstanden, und nahezu jeder Uhrmacher kann sie servicieren oder reparieren. Das macht sie auch aus praktischer Sicht zur unkompliziertesten Wahl. Hinzu kommt, dass sich die benötigten Ersatzteile und Werkzeuge über Jahrzehnte kaum verändert haben.

Einordnung und Alternativen

Trotz ihrer Dominanz ist die Ankerhemmung nicht das einzige System. Ihr prinzipbedingter Nachteil ist die gleitende Reibung zwischen den Palettensteinen und den Zähnen des Ankerrads, die Schmierung erfordert und mit der Zeit die Genauigkeit beeinflussen kann. Genau hier setzen Alternativen an. Die Co-Axial-Hemmung etwa reduziert diese gleitende Reibung durch eine veränderte Geometrie und ermöglicht dadurch längere Serviceintervalle. Daneben gibt es weitere Sonderbauformen von Hemmungen, die in der Praxis aber selten bleiben. Für die allermeisten Uhren ist und bleibt die klassische Ankerhemmung die bewährte Referenz.

Auch bei der Frage der Präzision spielt die Hemmung eine Rolle. Zusammen mit Unruh und Spiralfeder bildet sie das Herzstück des Werks, das über den Gang entscheidet. Wie exakt eine Uhr am Ende läuft, hängt jedoch von vielen Faktoren ab, von der Qualität der Bauteile bis zur sorgfältigen Regulierung. Die Ankerhemmung liefert dafür eine bewährte und ausgereifte Grundlage.

Häufige Fragen

Woher kommt das Ticken einer Uhr?

Das Ticken entsteht durch die Ankerhemmung. Bei jedem Sperren und Freigeben schlägt ein Palettenstein des Ankers gegen einen Zahn des Ankerrads, und dieses kurze Anschlagen erzeugt das hörbare Geräusch. Pro Sekunde geschieht das je nach Frequenz mehrere Male.

Ist die Ankerhemmung genau?

Ja, die Ankerhemmung liefert eine solide und über Jahrhunderte bewährte Grundgenauigkeit. Sie ist robust, selbstanlaufend und gut regulierbar. Die tatsächliche Ganggenauigkeit hängt aber zusätzlich von der Qualität der Bauteile und der sorgfältigen Regulierung des gesamten Werks ab.

Was ist der Unterschied zur Co-Axial-Hemmung?

Die klassische Ankerhemmung arbeitet mit gleitender Reibung zwischen Palettensteinen und Ankerrad, die geschmiert werden muss. Die Co-Axial-Hemmung verringert diese Reibung durch eine andere Anordnung der Räder. Dadurch sind längere Serviceintervalle möglich, während das Grundprinzip der dosierten Energieabgabe gleich bleibt.