Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Incabloc

Eine federnde Lagerung, die die empfindlichen Zapfen der Unruhwelle bei Stößen schützt. Incabloc ist ein bekannter Markenname für dieses Prinzip, das ein Brechen der Lagersteine verhindert.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Incabloc ist der bekannteste Markenname für eine Stoßsicherung in mechanischen Uhren. Sie schützt die empfindlichste Stelle des Werks, die dünnen Lagerzapfen der Unruhwelle, vor Stößen und Schlägen. Der Name ist so verbreitet, dass er oft stellvertretend für jede Stoßsicherung verwendet wird, obwohl es auch andere Systeme gibt.

Was Incabloc genau ist

Incabloc ist keine allgemeine Bauart, sondern ein geschütztes System eines Schweizer Herstellers. Es handelt sich um eine federnde Lagerung für die Unruhwelle, also für die Achse, auf der die schwingende Unruh sitzt. Weil Incabloc früh auf den Markt kam und sich weit verbreitete, ist der Name zum Synonym für die Stoßsicherung an sich geworden, ähnlich wie manche Markennamen im Alltag zum Oberbegriff werden.

Erkennen lässt sich das System an einer charakteristischen Feder in Form einer Lyra, die die Lagersteine an Ort und Stelle hält. Entwickelt wurde Incabloc in den 1930er-Jahren, in einer Zeit, in der eine wirksame Stoßsicherung noch keine Selbstverständlichkeit war. Vorher führte ein Sturz der Uhr häufig zu einem teuren Schaden.

Warum die Lagerzapfen so empfindlich sind

Um den Nutzen zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Unruh. Sie schwingt viele Male pro Sekunde und muss dafür extrem leicht und reibungsarm gelagert sein. Deshalb laufen die Enden der Unruhwelle in sehr feinen Spitzen, den Zapfen, die in Lagersteinen aus synthetischem Rubin ruhen. Diese Zapfen sind hauchdünn, oft dünner als ein Haar, damit die Reibung gering bleibt und die Unruh frei schwingen kann.

Genau diese Feinheit ist zugleich die Schwachstelle. Fällt die Uhr zu Boden oder bekommt sie einen harten Schlag ab, wirken große Kräfte auf die winzigen Zapfen. Ohne Schutz können sie abbrechen oder die spröden Lagersteine zerspringen. Ein gebrochener Zapfen war früher einer der häufigsten Schäden überhaupt und bedeutete eine aufwendige Reparatur. Die Stoßsicherung setzt genau hier an.

Wie die federnde Lagerung wirkt

Der Trick von Incabloc liegt darin, dass die Lagersteine nicht starr eingebaut, sondern federnd gehalten werden. Im normalen Betrieb hält die Lyra-Feder die Steine exakt in Position, sodass die Unruh sauber läuft. Trifft die Uhr nun ein Stoß, kann die Unruhwelle kurz ausweichen. Dabei fängt ein kräftigerer Absatz der Welle den Schlag ab, nicht der empfindliche dünne Zapfen.

Anschließend drückt die Feder alles wieder in die Ausgangslage zurück, und die Uhr läuft normal weiter. Die Energie des Stoßes wird so auf ein robustes Bauteil umgeleitet und abgefedert, statt die feinen Zapfen zu zerstören. Dieses Grundprinzip, empfindliche Teile durch eine bewegliche, gefederte Lagerung zu schützen, ist bei allen Stoßsicherungen gleich.

Andere Systeme und Einordnung

Incabloc ist verbreitet, aber nicht das einzige System dieser Art. Auch andere Hersteller haben eigene Stoßsicherungen entwickelt, etwa Kif oder die von Seiko verwendete Bauart Diashock. Sie alle verfolgen dasselbe Ziel und arbeiten nach demselben Grundgedanken der federnden Lagerung. In den technischen Angaben, etwa im Datenblatt zu einem Kaliber, wird die verbaute Stoßsicherung oft ausdrücklich genannt.

Heute gehört eine Stoßsicherung zum Standard nahezu jeder mechanischen Uhr. Sie hat den Alltag mit mechanischen Uhren deutlich sorgloser gemacht. Wichtig ist aber die richtige Erwartung: Eine Stoßsicherung schützt vor den üblichen Stößen des Alltags, macht eine Uhr aber nicht unzerstörbar. Ein heftiger Sturz kann trotzdem Schäden an Hemmung oder Werk verursachen. Bei Unregelmäßigkeiten nach einem Sturz ist deshalb eine Servicierung ratsam.

Häufige Fragen (FAQ)

Was macht Incabloc in einer Uhr?

Incabloc ist eine Stoßsicherung, die die dünnen Zapfen der Unruhwelle vor Stößen schützt. Die Lagersteine sind federnd gelagert und können bei einem Schlag kurz ausweichen. So bricht statt des empfindlichen Zapfens nichts, und die Uhr läuft danach normal weiter.

Ist Incabloc dasselbe wie eine Stoßsicherung?

Incabloc ist ein bestimmter Markenname für eine Stoßsicherung, wird aber oft allgemein für jedes solche System verwendet. Es gibt daneben weitere Systeme wie Kif oder Diashock, die nach demselben Prinzip der federnden Lagerung arbeiten.

Ist eine Uhr mit Stoßsicherung unzerstörbar?

Nein. Eine Stoßsicherung schützt zuverlässig vor den üblichen Stößen des Alltags, hat aber Grenzen. Ein sehr harter Sturz kann trotzdem Schäden verursachen. Wenn deine Uhr nach einem Stoß auffällig läuft, solltest du sie prüfen lassen.