Was die Duplexhemmung ist
Die Duplexhemmung ist eine historische Bauart der Hemmung, die vor allem im 18. und 19. Jahrhundert in feinen Taschenuhren verbaut wurde. Wie jede Hemmung übernimmt sie die zentrale Aufgabe, den Ablauf des Räderwerks zu bremsen und die Energie der Zugfeder in gleichmäßige Impulse an den Gangregler zu portionieren. Zu ihrer Zeit galt sie als anspruchsvolle und genaue Konstruktion, die qualitativ zwischen der einfacheren Zylinderhemmung und der späteren Ankerhemmung angesiedelt war.
Ihren Namen verdankt sie einer Besonderheit ihres Hemmungsrades. „Duplex" bedeutet „zweifach", und genau das beschreibt den Aufbau: Das Rad trägt zwei unterschiedliche Zahnreihen, die zwei verschiedene Aufgaben erfüllen.
Aufbau und Funktion
Das Herzstück der Duplexhemmung ist dieses doppelt bezahnte Ankerrad. Die eine Zahnreihe besteht aus langen Sperrzähnen am Umfang des Rades, die andere aus kurzen Impulszähnen, die auf der Fläche des Rades stehen. Auf der Unruhwelle sitzt eine kleine Rolle mit einer feinen Einkerbung.
Der Ablauf funktioniert so: Ein langer Sperrzahn liegt an der Rolle an und blockiert das Rad. Schwingt die Unruh, wandert die Einkerbung an die richtige Stelle und gibt den Zahn frei. In diesem Moment stößt ein kurzer Impulszahn die Unruh an und überträgt so die Energie. Entscheidend ist, dass dieser Antrieb nur in eine einzige Schwingungsrichtung erfolgt. In der Gegenrichtung schwingt die Unruh nahezu frei zurück, während der nächste Sperrzahn wieder an der Rolle einrastet. Das Rad rückt dadurch nur bei jeder zweiten Bewegung der Unruh weiter.
Stärken und Schwächen
Der große Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass die Unruh über weite Teile ihrer Schwingung ungestört läuft und nur einen einzigen, gezielten Impuls erhält. Eine wenig gestörte Schwingung begünstigt grundsätzlich eine gute Ganggenauigkeit, weshalb die Duplexhemmung in ihrer Blütezeit für hochwertige Zeitmesser geschätzt wurde.
Diesen Vorzügen stehen deutliche Nachteile gegenüber. Die Duplexhemmung ist empfindlich und heikel in der Justierung. Sie reagiert stark auf Stöße und Lagewechsel: Ein Schlag kann den feinen Ablauf stören, sodass ein Impuls ausbleibt oder das Rad springt. Außerdem startet sie nach einem Stillstand nicht zuverlässig von allein. Für eine Uhr, die ständig bewegt und getragen wird, ist das ein ernstes Problem.
Weil das Rad nur bei jeder zweiten Schwingung der Unruh um einen Zahn weiterrückt, zeigt eine Uhr mit Duplexhemmung ein charakteristisches Laufbild. Dass die Unruh pro vollem Schwung nur einen einzigen Antrieb erhält, teilt die Duplexhemmung mit der ebenfalls historischen Chronometerhemmung – beide zählen zu den Bauarten mit besonders freier, aber empfindlicher Schwingung.
Warum sie heute kaum noch vorkommt
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Duplexhemmung nach und nach von der Ankerhemmung verdrängt. Diese ist robuster, unempfindlicher gegen Stöße und startet zuverlässig von selbst – Eigenschaften, die sie zur idealen Wahl für die Massenfertigung und später für die Armbanduhr machten. Historisch fand die Duplexhemmung vor allem in hochwertigen englischen Taschenuhren sowie in Uhren für den chinesischen Markt Verwendung.
Heute ist sie praktisch aus der Serienfertigung verschwunden und begegnet einem fast nur noch in antiken Sammleruhren. Damit teilt sie das Schicksal anderer klassischer Präzisionshemmungen wie der Chronometerhemmung, die ebenfalls sehr genau, aber zu empfindlich für den Alltag am Handgelenk war. Moderne Weiterentwicklungen gehen in eine ganz andere Richtung, etwa die reibungsarme Co-Axial-Hemmung.