Die Zentralsekunde bezeichnet einen Sekundenzeiger, der aus der Mitte des Zifferblatts kommt und über das gesamte Blatt läuft – auf derselben Achse wie Stunden- und Minutenzeiger. Sie ist heute die häufigste Art, die Sekunden anzuzeigen, und wirkt bei vielen Uhren so selbstverständlich, dass ihre technische Geschichte oft übersehen wird.
Zentralsekunde und kleine Sekunde
Das Gegenstück zur Zentralsekunde ist die Kleine Sekunde, bei der die Sekunden auf einem eigenen kleinen Hilfszifferblatt laufen, meist bei der 6. Lange Zeit war genau das der Normalfall, weil sich das für die Sekunde zuständige Rad – das vierte Rad des Räderwerks – konstruktiv außerhalb der Mitte befand. Die Sekunde saß also dort, wo dieses Rad ohnehin lag.
Die Zentralsekunde verlegt die Anzeige dagegen in die Mitte. Der Vorteil: Der lange Zeiger überstreicht die gesamte Minuterie am Rand, sodass sich Sekunden sehr genau ablesen lassen. Das machte die Zentralsekunde besonders für Uhren interessant, bei denen es auf präzises Ablesen ankommt.
Direkte und indirekte Zentralsekunde
Damit der Sekundenzeiger mittig sitzen kann, gibt es zwei technische Wege:
- Indirekte Zentralsekunde: Das vierte Rad bleibt außerhalb der Mitte, und ein zusätzliches Zwischenrad überträgt seine Drehung in die Zifferblattmitte. Diese Lösung ließ sich einfach auf bestehende Werke aufsetzen. Sie hat aber eine Eigenheit: Ohne Gegenmaßnahme würde der Zeiger flattern. Deshalb sorgt eine kleine Friktionsfeder für leichte Spannung, die den Zeiger ruhig hält.
- Direkte Zentralsekunde: Hier sitzt das vierte Rad selbst in der Mitte, und der Sekundenzeiger steckt direkt auf seiner verlängerten Welle. Das ist mechanisch sauberer und stabiler, verlangt aber ein von Grund auf passend konstruiertes Kaliber.
Moderne Automatik- und Handaufzugswerke sind meist von vornherein auf die direkte Zentralsekunde ausgelegt.
Wie flüssig läuft der Zeiger?
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein mechanischer Sekundenzeiger gleitet. Tatsächlich rückt er in kleinen Schritten vor, im Takt der Frequenz des Werks. Je höher diese Frequenz, desto mehr Schritte pro Sekunde und desto flüssiger wirkt die Bewegung. Bei üblichen Werten verschmelzen die vielen kleinen Schritte für das Auge fast zu einem gleichmäßigen Lauf. Das Räderwerk gibt den Takt vor, den die Hemmung portioniert.
Praktischer Nutzen
Neben der guten Ablesbarkeit hat die Zentralsekunde einen praktischen Vorteil: In Verbindung mit einer Sekundenstopp-Funktion, bei der der Zeiger beim Herausziehen der Krone stehen bleibt, lässt sich die Uhr sekundengenau nach einem Zeitzeichen stellen. Gerade bei Uhren, die auf Genauigkeit ausgelegt sind, gehört die zentrale, gut sichtbare Sekunde deshalb zur Grundausstattung.
Ein Blick in die Geschichte
Über viele Jahrzehnte war die kleine Sekunde der Standard, weil sie sich unmittelbar aus dem Aufbau des Werks ergab. Die Zentralsekunde setzte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts breit durch, als sie dank verbesserter Konstruktionen zuverlässig und ruhig lief. Heute hat sich das Bild umgekehrt: Die Sekunde aus der Mitte ist die Regel, die kleine Sekunde eher ein bewusst gewähltes Gestaltungsmerkmal.
Zentralsekunde beim Chronographen
Eine Sonderrolle spielt die Zentralsekunde beim Chronographen: Dort läuft in der Mitte häufig nicht die fortlaufende Sekunde, sondern der Stoppsekundenzeiger. Die normale, ständig laufende Sekunde sitzt dann auf einem kleinen Hilfszifferblatt. So bleibt die auffällige zentrale Position für die Stoppfunktion frei, die man beim Messen am genauesten ablesen möchte.