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Das Räderwerk der Uhr: vom Federhaus zur Hemmung

◷ 5 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Wenn die Zugfeder im Federhaus der Motor einer mechanischen Uhr ist, dann ist das Räderwerk das Getriebe. Es liegt genau zwischen der Energiequelle und dem Taktgeber und erfüllt gleich zwei Aufgaben: Es leitet die Kraft weiter, und es übersetzt sie so, dass am Ende Sekunden, Minuten und Stunden im richtigen Verhältnis zueinander laufen.

Das klingt kompliziert, folgt aber einer klaren Logik. Ein Rad greift ins nächste, jedes Rad dreht sich schneller als das vorige, und der Weg endet bei der Hemmung, die alles im Takt hält. In diesem Beitrag verfolgen wir diesen Weg Schritt für Schritt – vom Federhaus über das Räderwerk bis zu Hemmung & Unruh.

Wer versteht, wie das Räderwerk arbeitet, versteht auch, warum eine mechanische Uhr überhaupt gleichmäßig läuft und wie aus einer einzigen gespannten Feder drei Zeiger mit ganz unterschiedlichem Tempo entstehen.

Das Räderwerk leitet die Federkraft Rad für Rad weiter – vom Federhaus bis zum Ankerrad, das die Hemmung speist.

Wo das Räderwerk in der Uhr sitzt

Das Räderwerk – oft auch Gehwerk genannt – ist die Kette von Zahnrädern zwischen dem Federhaus und der Hemmung. Am Anfang steht die Energiequelle: Die Zugfeder im Federhaus drückt und treibt über die Verzahnung am Federhausrand das erste Rad an. Wie dieser Speicher funktioniert, liest du im Beitrag zu Zugfeder & Federhaus.

Am Ende der Kette steht die Hemmung mit ihrem Hemmungsrad. Sie ist gewissermaßen der Türsteher: Sie lässt das Räderwerk immer nur für einen winzigen Moment weiterlaufen, im Takt der Unruh. Dazwischen liegen die eigentlichen Räder des Gehwerks, die die Kraft weiterreichen und dabei übersetzen.

Die Räder im Überblick

Zwischen Federhaus und Hemmung sitzen typischerweise drei Räder, die den Antrieb weitergeben. Jedes Rad besteht aus einem größeren Zahnkranz und einem kleinen Ritzel (dem Trieb) auf derselben Achse. Der große Zahnkranz eines Rades greift in den kleinen Trieb des nächsten – und genau daraus entsteht die Übersetzung.

  • Minutenrad (Zentrumrad): Es wird vom Federhaus angetrieben und dreht sich einmal pro Stunde. Über dieses Rad wird später auch der Minutenzeiger bewegt.
  • Kleinbodenrad (Zwischenrad): Es gibt die Kraft weiter und übersetzt sie ins Schnellere.
  • Sekundenrad: Es dreht sich einmal pro Minute. Bei Uhren mit kleiner Sekunde sitzt hier der Sekundenzeiger.

Vom Sekundenrad geht es weiter zum Hemmungsrad, das schon zur Hemmung gehört. Es dreht sich am schnellsten von allen und wird von der Hemmung in kurzen Schritten freigegeben und wieder gestoppt.

Übersetzung: warum jedes Rad schneller dreht

Das Federhaus dreht sich sehr langsam – im Lauf eines Tages nur wenige Male. Die Unruh dagegen schwingt mehrere Male pro Sekunde. Zwischen diesen beiden Welten liegt eine große Geschwindigkeitsdifferenz, und das Räderwerk überbrückt sie durch Übersetzung.

Der Trick steckt in den Zähnezahlen. Ein großer Zahnkranz treibt einen kleinen Trieb an. Weil der Trieb weniger Zähne hat, muss er sich öfter drehen, um mit dem großen Rad Schritt zu halten. So wird die Drehung von Rad zu Rad schneller – man spricht von einer Übersetzung ins Schnelle. Vom langsam drehenden Federhaus bis zum schnellen Hemmungsrad steigert sich das Tempo dadurch enorm.

Gleichzeitig sorgt genau diese Abstufung dafür, dass die Räder in einem festen, sinnvollen Verhältnis laufen: Das Minutenrad dreht sich einmal pro Stunde, das Sekundenrad einmal pro Minute. Aus einem einzigen Antrieb entstehen so mehrere exakt aufeinander abgestimmte Geschwindigkeiten.

Baugruppe Aufgabe typisches Tempo
Federhaus speichert und liefert Energie sehr langsam, wenige Umdrehungen pro Tag
Minutenrad treibt an, führt zum Minutenzeiger eine Umdrehung pro Stunde
Sekundenrad überträgt weiter, kleine Sekunde eine Umdrehung pro Minute
Hemmungsrad Übergang zur Hemmung sehr schnell, im Takt der Unruh

Das Zeigerwerk: wie die Zeiger angetrieben werden

Ein häufiges Missverständnis: Man denkt, das Räderwerk treibe die Zeiger direkt an. Tatsächlich sitzt für die Zeiger ein eigenes kleines Getriebe unter dem Zifferblatt – das Zeigerwerk. Es zweigt die Bewegung vom Minutenrad ab und teilt sie passend auf Minuten- und Stundenzeiger auf.

Das Herzstück ist das Verhältnis zwischen den beiden Zeigern. Der Minutenzeiger dreht sich einmal pro Stunde, der Stundenzeiger nur einmal in zwölf Stunden. Das Zeigerwerk erzeugt genau diese Untersetzung von zwölf zu eins: Über ein Zwischenrad wird die schnelle Drehung des Minutenzeigers auf ein Zwölftel verlangsamt und auf das Stundenrad übertragen, das den Stundenzeiger trägt.

Wichtig ist: Das Zeigerwerk läuft mit sehr wenig Kraft und ist bewusst so gebaut, dass es sich beim Zeigerstellen verstellen lässt, ohne den Gang der Uhr zu stören. Deshalb kannst du die Zeit einstellen, während das eigentliche Räderwerk unbeeindruckt weiterläuft.

Warum das Räderwerk so präzise sein muss

Jedes Rad, jeder Trieb und jedes Lager im Räderwerk arbeitet mit winzigen Toleranzen. Zahnflanken müssen sauber ineinandergreifen, die Achsen (Wellen) laufen in feinen Lagern, oft aus Rubinsteinen, die die Reibung senken. Schon kleinste Abweichungen oder Verschmutzungen kosten Energie oder bringen Unruhe in den Lauf.

Deshalb ist das Räderwerk auch bei der Wartung ein zentrales Thema. Verharztes Öl in den Lagern, Abrieb oder ein Stoßschaden an einer feinen Achse können dazu führen, dass die Kraft nicht mehr sauber durchläuft. Die Folge reicht von einem ungenauen Gang bis zum Stehenbleiben. Ein reibungsarm laufendes Räderwerk ist außerdem eine Voraussetzung dafür, dass die gespeicherte Energie möglichst lange reicht – es trägt also indirekt zur Gangreserve bei.

Zusammenspiel mit Antrieb und Hemmung

Das Räderwerk ist nie für sich allein zu verstehen. Es ist das Bindeglied zwischen dem Energiespeicher und dem Taktgeber. Die Zugfeder liefert die Kraft, das Räderwerk überträgt und übersetzt sie, und die Hemmung gibt sie in gleichmäßigen Portionen frei – gesteuert von der Unruh.

Bei einer Automatikuhr kommt am Anfang der Kette noch der Rotor hinzu, der die Zugfeder durch deine Handbewegung nachspannt. Wie das im Detail funktioniert, liest du im Beitrag zum Automatikwerk. Am Prinzip des Räderwerks ändert das aber nichts: Egal ob Handaufzug oder Automatik, die Kraft nimmt immer denselben Weg – vom Federhaus über die Räder bis zur Hemmung.

Häufige Fragen

Was ist das Räderwerk einer Uhr?

Das Räderwerk ist die Kette von Zahnrädern zwischen Federhaus und Hemmung. Es überträgt die Kraft der Zugfeder und übersetzt sie so, dass die Räder in einem festen Verhältnis laufen – die Grundlage dafür, dass die Uhr Sekunden, Minuten und Stunden korrekt anzeigt.

Wie kommt die Kraft vom Federhaus zur Hemmung?

Die Zugfeder treibt über die Verzahnung des Federhauses das erste Rad an. Von dort greift jedes Rad in den Trieb des nächsten, bis die Kraft am Hemmungsrad ankommt. Die Hemmung gibt das Räderwerk dann portionsweise im Takt der Unruh frei.

Was bedeutet Übersetzung im Räderwerk?

Übersetzung heißt, dass sich die Drehgeschwindigkeit von Rad zu Rad ändert. Weil ein großer Zahnkranz jeweils einen kleinen Trieb antreibt, dreht sich das nächste Rad schneller. So wird aus der langsamen Drehung des Federhauses das schnelle Drehen des Hemmungsrads.

Was ist der Unterschied zwischen Räderwerk und Zeigerwerk?

Das Räderwerk überträgt die Antriebskraft vom Federhaus zur Hemmung. Das Zeigerwerk ist ein eigenes kleines Getriebe unter dem Zifferblatt, das die Zeiger antreibt und die Drehung des Minutenzeigers im Verhältnis zwölf zu eins auf den Stundenzeiger untersetzt.

Warum dreht sich der Stundenzeiger langsamer als der Minutenzeiger?

Weil das Zeigerwerk die Bewegung im Verhältnis zwölf zu eins verlangsamt. Der Minutenzeiger dreht sich einmal pro Stunde, der Stundenzeiger einmal in zwölf Stunden. Diese Untersetzung erzeugt das kleine Getriebe unter dem Zifferblatt.

Recherchiert und geschrieben von der Redaktion von Uhren-Experte – unabhängig, werbefrei und ohne Marketing-Sprech.