Ein Lackzifferblatt ist ein Zifferblatt, dessen Oberfläche mit Lack beschichtet ist. Auf einen Rohling aus Metall – meist Messing – werden dabei eine oder mehrere Lackschichten aufgetragen, die anschließend aushärten. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiges, geschlossenes Finish, das je nach Lack und Verarbeitung glänzend oder matt ausfallen kann. Lackzifferblätter zählen zu den am weitesten verbreiteten Zifferblattarten überhaupt.
Herstellung eines Lackzifferblatts
Am Anfang steht der Zifferblattrohling, eine dünne Metallplatte mit den nötigen Bohrungen und Füßchen für die spätere Montage. Auf diesen Rohling wird der Lack aufgetragen, oft in mehreren hauchdünnen Schichten. Zwischen den Aufträgen und am Ende härtet der Lack aus, teils unterstützt durch kontrollierte Wärme. Jede Schicht muss sauber und staubfrei aufgebracht werden, denn schon kleinste Einschlüsse würden auf der glatten Fläche sofort auffallen.
Erst nach dem Lackieren kommen die weiteren Gestaltungselemente hinzu. Aufgedruckt oder aufgesetzt werden zum Beispiel die Minuterie, der Markenschriftzug sowie die Stundenmarkierungen. Erhaben aufgesetzte Applikationen geben dem Blatt zusätzlich Tiefe, während ein einfacher Index auch aufgedruckt sein kann. Zum Schluss folgen Zeiger und Leuchtmasse, sofern vorgesehen.
Lack oder Emaille – der Unterschied
Ein Lackzifferblatt wird gern mit einem Emaille-Zifferblatt verwechselt, weil beide tief und gleichmäßig wirken können. Die Verfahren sind jedoch grundverschieden. Emaille besteht aus glasartigem Schmelz, der bei sehr hoher Temperatur eingebrannt wird und dadurch außergewöhnlich alterungsbeständig und farbstabil ist. Lack dagegen wird aufgetragen und härtet bei deutlich niedrigeren Temperaturen aus.
Das hat Folgen für Aufwand und Eigenschaften. Ein Lackzifferblatt ist in der Herstellung günstiger, erlaubt eine große Farbvielfalt und lässt sich gut reproduzieren. Echte Grand-Feu-Emaille ist aufwendiger, teurer und gilt als besonders langlebig. Beide Verfahren haben ihre Berechtigung – für viele Serienuhren ist das Lackzifferblatt die naheliegende Wahl.
Optik und Varianten
Über den Lack lassen sich sehr unterschiedliche Wirkungen erzielen. Ein glänzendes Blatt reflektiert das Licht und wirkt tief und satt, ein mattes Blatt bleibt ruhig und blendet weniger. Auch Farbverläufe sind möglich: Ein weicher Übergang von hell zu dunkel, wie du ihn vom Fumé-Zifferblatt kennst, lässt sich mit Lack umsetzen.
Weil sich Lack in nahezu jedem Farbton mischen lässt, sind Lackzifferblätter gestalterisch flexibel. Klassische Schwarz- und Weißtöne gehören ebenso dazu wie kräftige Farben. In Verbindung mit einer feinen Struktur im Untergrund, etwa einem Guilloché-Muster, entstehen zusätzliche Lichtspiele.
Nicht jedes glänzende Zifferblatt ist allerdings automatisch ein Lackzifferblatt. Ein tiefer Glanz kann auch durch andere Verfahren entstehen, etwa durch galvanische Beschichtungen. Ein typisches Merkmal des Lackzifferblatts ist die gleichmäßig aufgetragene, geschlossene Oberfläche ohne die feinen Metallstrukturen, die bei manchen anderen Blättern durchscheinen. Im Alltag ist der Unterschied für das bloße Auge oft schwer zu erkennen und für die Funktion der Uhr ohne Bedeutung. Wer genau hinsieht, achtet auf die Kanten der aufgesetzten Elemente: Dort zeigt sich, wie sauber die Lackfläche verarbeitet ist.
Alterung und Pflege
Ein gut verarbeitetes Lackzifferblatt bleibt lange schön. Über viele Jahre kann Lack allerdings altern: Er kann nachdunkeln, vergilben oder feine Risse bekommen, das sogenannte Krakelee. Bei Vintage-Uhren wird eine solche gleichmäßige Alterung mitunter als Patina geschätzt. Direkte, dauerhafte Sonneneinstrahlung und starke Feuchtigkeit beschleunigen den Prozess, weshalb ein intaktes Gehäuse mit funktionierenden Dichtungen auch dem Zifferblatt zugutekommt.
Selbst pflegen lässt sich ein Zifferblatt praktisch nicht – es sitzt geschützt hinter dem Glas. Umso wichtiger ist ein dichtes Gehäuse, damit weder Staub noch Feuchtigkeit an die empfindliche Lackfläche gelangen.