Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Anglierung

Das Anschrägen und Polieren der Kanten von Werkteilen, ein klassisches Merkmal sorgfältiger Werkveredelung.

◷ 2 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Was Anglierung ist

Anglierung, auch Anglage oder Abschrägung genannt, bezeichnet das Brechen und Polieren der Kanten von Werkteilen. Dabei werden die Ränder von Brücken, Kloben, Hebeln oder Federn in einem Winkel angeschrägt, häufig etwa 45 Grad, und anschließend auf Hochglanz gebracht. Die entstehende schmale, glänzende Fase zieht sich als feine Linie entlang der Bauteilkante.

Ursprünglich diente das Anschrägen einem praktischen Zweck, nämlich dem Entgraten scharfer Kanten nach der Bearbeitung. Heute steht bei hochwertigen Werken der dekorative Charakter im Vordergrund. Die Anglierung gehört zu den klassischen Techniken der Werkveredelung und wird oft zusammen mit anderen Finissierungen wie Genfer Streifen oder Perlage ausgeführt.

Handarbeit und Qualitätsmerkmale

Ein wichtiges Erkennungszeichen sorgfältiger Anglierung sind die einspringenden, also nach innen weisenden Winkel. Solche scharfen Innenecken lassen sich mit rein maschineller Bearbeitung kaum sauber herstellen und gelten daher als Hinweis auf aufwendige Handarbeit. Auch ein gleichmäßiger, verzugsfreier Verlauf der Fase und eine kratzerfreie, spiegelnde Oberfläche zeugen von großer Sorgfalt.

Bei industriell gefertigten Werken wird die Fase häufig maschinell angebracht und wirkt dann etwas breiter oder matter. Der Unterschied zwischen maschineller und handpolierter Anglierung ist für geübte Augen an der Schärfe der Ecken und am Glanz erkennbar. Der Aufwand steigt mit der Zahl und der Form der zu bearbeitenden Kanten deutlich an.

Einordnung

Anglierung ist ein Teil der sogenannten Finissierung, der abschließenden Oberflächenbearbeitung eines Uhrwerks. Sie hat auf die Ganggenauigkeit keinen Einfluss, sondern betrifft die handwerkliche und optische Qualität. In der gehobenen Uhrmacherei wird der Aufwand der Anglierung oft als Ausdruck der Fertigungstiefe verstanden.

Zu finden ist die Anglierung an Kanten von Brücken und Platinen, an Ausschnitten für Steine sowie an Stahlteilen wie Hebeln und Federn. Da diese Bearbeitung meist auf der Werkseite liegt, ist sie vor allem bei Uhren mit Sichtboden sichtbar. Für die reine Funktion der Uhr ist sie nicht erforderlich, für die Wertschätzung feiner Werke jedoch von Bedeutung. Neben geraden Kanten werden auch Rundungen und Aussparungen angliert, was den Aufwand zusätzlich erhöht. Die Fase wird dabei in mehreren Schritten geschliffen und poliert, bis sie gleichmäßig glänzt. Bei einigen Werken wird die Anglierung bewusst als sichtbares Gestaltungsmerkmal eingesetzt und hebt die Konturen der Bauteile hervor. Ihre Ausführung gilt vielen Kennern als Gradmesser für die handwerkliche Sorgfalt eines Werks.

Häufige Fragen

Ist Anglierung nur Dekoration?

Ursprünglich diente sie dem Entgraten der Kanten. Heute ist sie überwiegend dekorativ und gilt als Zeichen sorgfältiger Werkveredelung, hat auf den Gang der Uhr aber keinen Einfluss.