Was ein Lagerstein ist
Ein Lagerstein ist ein kleines Lagerelement aus hartem, glattem Material, in dem sich der Zapfen einer Welle dreht. In mechanischen Uhren übernehmen solche Steine die Aufgabe, die Reibung und den Verschleiß an den Lagerstellen möglichst gering zu halten. Verwendet wird dafür synthetischer Korund, chemisch Aluminiumoxid, das je nach Beimischung als Rubin oder Saphir vorliegt. Korund zählt zu den härtesten Mineralien überhaupt, was ihn als Lagerwerkstoff besonders geeignet macht.
Früher kamen natürliche Rubine zum Einsatz, die aufwendig ausgesucht, durchbohrt und poliert werden mussten. Seit sich Korund künstlich herstellen lässt, entstehen die Steine in gleichbleibender Reinheit und Form und zu geringeren Kosten. Die charakteristische rote Farbe vieler Lagersteine stammt vom Rubin; für die Funktion ist sie jedoch ohne Bedeutung, weshalb auch farblose Steine verwendet werden.
Aufgabe im Uhrwerk
Ein Stahlzapfen, der in einem Loch aus Metall liefe, würde mit der Zeit einlaufen und die Ganggenauigkeit verschlechtern. Der sehr harte, fein polierte Stein bietet dagegen eine dauerhaft glatte Lauffläche, die sich kaum abnutzt. Zugleich hält seine Form das Schmieröl durch die Oberflächenspannung an der richtigen Stelle. An stark belasteten Lagern wie jenem der Unruh sitzen die Steine paarweise als Loch- und Deckstein.
Steine werden nicht nur als Lager verwendet, sondern auch dort, wo Teile gegeneinander arbeiten, etwa an den Paletten des Ankers oder am Hebelstein der Unruh. Überall verfolgen sie denselben Zweck: einen möglichst reibungsarmen und verschleißfesten Kontakt zwischen bewegten Bauteilen zu schaffen. Auf diese Weise tragen sie unmittelbar zur Genauigkeit und zur Lebensdauer eines Werks bei.
Was die Steinzahl aussagt
Die auf vielen Werken oder Zifferblättern angegebene Zahl der Steine benennt die Anzahl dieser Lager. Ein einfaches Handaufzugswerk kommt üblicherweise mit siebzehn Steinen aus, was als vollständige Lagerung aller wesentlichen Achsen gilt. Uhren mit Automatikaufzug oder zusätzlichen Anzeigen benötigen mehr Lagerstellen und weisen daher höhere Steinzahlen auf, etwa für den Rotor und die Räder der Zusatzfunktionen.
Eine besonders hohe Zahl ist kein verlässliches Zeichen für Güte, denn sie ergibt sich vor allem aus Bauart und Funktionsumfang. Vereinzelt wurden Steine auch ohne technische Notwendigkeit verbaut, um mit einer hohen Zahl zu werben. Aussagekräftig ist die Steinzahl daher stets nur im Zusammenhang mit dem jeweiligen Werktyp und seiner Ausstattung.