Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Lagerstein

Ein aus synthetischem Korund gefertigtes Lager, das die Reibung an den Achsen von Rädern und Unruh verringert.

◷ 2 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Was ein Lagerstein ist

Ein Lagerstein ist ein kleines Lagerelement aus hartem, glattem Material, in dem sich der Zapfen einer Welle dreht. In mechanischen Uhren übernehmen solche Steine die Aufgabe, die Reibung und den Verschleiß an den Lagerstellen möglichst gering zu halten. Verwendet wird dafür synthetischer Korund, chemisch Aluminiumoxid, das je nach Beimischung als Rubin oder Saphir vorliegt. Korund zählt zu den härtesten Mineralien überhaupt, was ihn als Lagerwerkstoff besonders geeignet macht.

Früher kamen natürliche Rubine zum Einsatz, die aufwendig ausgesucht, durchbohrt und poliert werden mussten. Seit sich Korund künstlich herstellen lässt, entstehen die Steine in gleichbleibender Reinheit und Form und zu geringeren Kosten. Die charakteristische rote Farbe vieler Lagersteine stammt vom Rubin; für die Funktion ist sie jedoch ohne Bedeutung, weshalb auch farblose Steine verwendet werden.

Aufgabe im Uhrwerk

Ein Stahlzapfen, der in einem Loch aus Metall liefe, würde mit der Zeit einlaufen und die Ganggenauigkeit verschlechtern. Der sehr harte, fein polierte Stein bietet dagegen eine dauerhaft glatte Lauffläche, die sich kaum abnutzt. Zugleich hält seine Form das Schmieröl durch die Oberflächenspannung an der richtigen Stelle. An stark belasteten Lagern wie jenem der Unruh sitzen die Steine paarweise als Loch- und Deckstein.

Steine werden nicht nur als Lager verwendet, sondern auch dort, wo Teile gegeneinander arbeiten, etwa an den Paletten des Ankers oder am Hebelstein der Unruh. Überall verfolgen sie denselben Zweck: einen möglichst reibungsarmen und verschleißfesten Kontakt zwischen bewegten Bauteilen zu schaffen. Auf diese Weise tragen sie unmittelbar zur Genauigkeit und zur Lebensdauer eines Werks bei.

Was die Steinzahl aussagt

Die auf vielen Werken oder Zifferblättern angegebene Zahl der Steine benennt die Anzahl dieser Lager. Ein einfaches Handaufzugswerk kommt üblicherweise mit siebzehn Steinen aus, was als vollständige Lagerung aller wesentlichen Achsen gilt. Uhren mit Automatikaufzug oder zusätzlichen Anzeigen benötigen mehr Lagerstellen und weisen daher höhere Steinzahlen auf, etwa für den Rotor und die Räder der Zusatzfunktionen.

Eine besonders hohe Zahl ist kein verlässliches Zeichen für Güte, denn sie ergibt sich vor allem aus Bauart und Funktionsumfang. Vereinzelt wurden Steine auch ohne technische Notwendigkeit verbaut, um mit einer hohen Zahl zu werben. Aussagekräftig ist die Steinzahl daher stets nur im Zusammenhang mit dem jeweiligen Werktyp und seiner Ausstattung.

Häufige Fragen

Sind Lagersteine echte Edelsteine?

Es handelt sich um synthetischen Korund, also im Labor gezüchteten Rubin oder Saphir. Materiell entspricht er einem Edelstein, hat wegen der industriellen Herstellung aber keinen Schmuckwert.

Warum werben Uhren mit der Zahl der Steine?

Die Steinzahl zeigt, wie viele reibungsarme Lager verbaut sind. Siebzehn Steine gelten bei einer einfachen mechanischen Uhr als vollständige Lagerung; zusätzliche Funktionen erhöhen den Bedarf.