Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Zylinderhemmung

Eine ältere Hemmungsbauart, bei der ein hohler Zylinder auf der Unruhwelle das Steigrad steuert und flachere Uhren ermöglichte.

◷ 2 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Was die Zylinderhemmung ist

Die Zylinderhemmung ist eine Bauart der Hemmung, also jenes Bauteils, das die Energie des Räderwerks in gleichmäßige Schwingungen zerteilt und an die Unruh weitergibt. Ihr Kennzeichen ist ein hohler, seitlich aufgeschnittener Zylinder, der fest auf der Unruhwelle sitzt. An diesem Zylinder greifen die auf Stielen stehenden Zähne des Steigrads an.

Sie zählt zu den ruhenden Hemmungen: Ein Radzahn liegt zeitweise an der Zylinderwand an und bleibt dort in Reibung, während die Unruh weiterschwingt. Dadurch ist die Zylinderhemmung einfacher aufgebaut als spätere Konstruktionen, belastet die Berührungsflächen aber dauerhaft und neigt entsprechend zu Verschleiß. Weil die Reibung Energie verbraucht, benötigt eine solche Hemmung ein vergleichsweise kräftiges Antriebsmoment.

Geschichtliche Einordnung

Entwickelt wurde die Zylinderhemmung im frühen 18. Jahrhundert; besonders eng ist ihr Name mit dem englischen Uhrmacher George Graham verbunden, der sie gebrauchsfähig machte. Sie löste in vielen Taschenuhren die ältere Spindelhemmung ab, weil sie einen flacheren Aufbau erlaubte. Vor ihr war über lange Zeit die Spindelhemmung verbreitet, die jedoch deutlich höher baute.

Über das 18. und 19. Jahrhundert war die Zylinderhemmung weit verbreitet, vor allem in flachen und in einfacheren Taschenuhren. Mit der Verbreitung der genaueren Ankerhemmung verlor sie an Bedeutung und wird heute praktisch nicht mehr gebaut. In alten Uhren begegnet sie Sammlern jedoch häufig. Als Sammelgebiet sind Uhren mit Zylinderhemmung heute vor allem von historischem Interesse.

Eigenschaften in der Praxis

Der große Vorteil der Zylinderhemmung lag in der flachen Bauweise, die schlanke, elegante Taschenuhren möglich machte. Dem stand eine geringere Ganggenauigkeit gegenüber, da die dauernde Reibung am Zylinder Energie kostet und die Schwingung der Unruh nicht frei erfolgt. Zudem war die Fertigung der Zylinder anspruchsvoll, da sie aus gehärtetem Stahl sehr genau gearbeitet werden mussten.

Der Zylinder ist zudem empfindlich: Er kann brechen oder einlaufen, was Reparaturen erschwert, weil Ersatzteile für alte Werke selten sind. Beim Kauf historischer Uhren mit Zylinderhemmung ist der Zustand dieses Bauteils deshalb ein wichtiger Punkt der Bewertung. Wer eine solche Uhr in Gang halten möchte, ist auf erfahrene Fachleute und mitunter auf angefertigte Ersatzteile angewiesen. Insgesamt steht die Zylinderhemmung für einen wichtigen Zwischenschritt in der Entwicklung hin zu genaueren und zugleich flachen Taschenuhren.

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die Zylinderhemmung von der Ankerhemmung?

Bei der Zylinderhemmung liegt ein Radzahn reibend am Zylinder an, die Unruh schwingt also nicht frei. Die Ankerhemmung gibt die Unruh zwischen den Impulsen frei und läuft dadurch genauer.