Was ein Schlagwerk macht
Ein Schlagwerk ist ein Mechanismus, der die Zeit nicht nur zeigt, sondern hörbar macht. Kleine Hämmer schlagen dafür auf Tonfedern – meist gebogene Stahldrähte, die um das Werk herum verlaufen. Anders als ein Wecker gibt ein Schlagwerk die aktuelle Uhrzeit als Tonfolge wieder. Als Komplikation, also als Funktion über die reine Zeitanzeige hinaus, zählt es zu den anspruchsvollsten Bauformen der mechanischen Uhr. Der französische Begriff dafür ist Sonnerie, was so viel wie „Läutwerk" bedeutet.
Herkunft und Zweck
Schlagwerke sind deutlich älter als die Armbanduhr. In Turm-, Tisch- und Taschenuhren machten sie die Zeit hörbar, lange bevor es elektrisches Licht gab: In dunklen Räumen oder bei Nacht ließ sich die Uhrzeit so ganz ohne Blick auf das Zifferblatt erfassen. Frühe Uhren nutzten dafür kleine Glocken; später setzten sich flache, um das Werk gebogene Tonfedern durch, weil sie weniger Platz brauchten und sich gut in flache Gehäuse einpassen ließen. Aus dieser langen Tradition stammt auch der große Ruf, den klingende Uhren bis heute genießen.
Petite und Grande Sonnerie
Bei selbsttätigen Schlagwerken unterscheidet man vor allem zwei Ausführungen. Die Grande Sonnerie schlägt zu jeder Viertelstunde automatisch sowohl die volle Stunde als auch die vergangenen Viertelstunden. Die Petite Sonnerie schlägt dagegen die volle Stunde nur zur vollen Stunde und zu den Viertelstunden lediglich die Viertel, ohne die Stundenzahl erneut anzugeben. Beide schlagen also von selbst im Vorbeigehen – man spricht davon, dass die Uhr „en passant" schlägt. Der Unterschied liegt somit darin, wie oft die volle Stunde wiederholt wird.
Wie die Töne aufgebaut sind
Damit sich die Zeit unterscheiden lässt, arbeiten Schlagwerke mit verschiedenen Tönen. Üblich ist, die Stunden mit einem tiefen Ton anzugeben und die Viertelstunden als Doppelschlag aus zwei unterschiedlich hohen Tönen. So kannst du beim Zuhören mitzählen: eine Folge tiefer Schläge für die Stunden, danach die Doppelschläge für die Viertel. Wie voll und klar der Klang ausfällt, hängt von Material, Form und Abstimmung der Tonfedern sowie vom Gehäuse ab, das als Klangkörper wirkt.
Abgrenzung zur Minutenrepetition
Leicht zu verwechseln ist das Schlagwerk mit der Minutenrepetition. Der Unterschied liegt im Auslöser: Eine Minutenrepetition schlägt nur auf Wunsch, wenn du einen Schieber oder Drücker betätigst. Ein Schlagwerk vom Typ Sonnerie schlägt dagegen selbsttätig mit dem Lauf der Zeit. Viele besonders aufwendige Uhren verbinden beides – eine Grande Sonnerie mit zusätzlicher Repetition, die auf Knopfdruck auch die genaue Minute angibt.
Energiebedarf und Einordnung
Das Schlagen kostet Kraft. Da die Tonfolgen zusätzliche Energie beanspruchen, wirkt sich ein aktives Schlagwerk auf die Gangreserve aus. Deshalb besitzen Sonnerie-Uhren in der Regel einen Wählhebel, mit dem sich zwischen den Schlagarten umschalten oder das Schlagwerk ganz stummschalten lässt (Silence). So bleibt die Energie dem Gehwerk erhalten, wenn kein Schlag gewünscht ist. Zusammen mit dem Tourbillon und der Minutenrepetition zählt das Schlagwerk zu den aufwendigsten Disziplinen der Uhrmacherei; entsprechend selten und teuer sind solche Uhren.
Wartung und Besonderheiten
Schlagwerke bestehen aus vielen feinen Teilen, die genau zusammenspielen müssen. Das macht sie empfindlich und ihre Wartung zur Aufgabe für Spezialisten. Auch das Auslösen will bedacht sein: Bei vielen Uhren gilt die Empfehlung, das Schlagwerk nicht zu betätigen, während die Uhr gerade gestellt wird, um den Mechanismus nicht zu belasten. Der gute Klang einer Sonnerie gilt als eigenes Kunsthandwerk, das über die reine Technik hinausgeht und stark von der sorgfältigen Abstimmung der Tonfedern abhängt.