Uhren-Lexikon · Norm & Abkürzung

High Accuracy Quartz

Besonders präzise Quarzwerke mit nur wenigen Sekunden Abweichung pro Jahr.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

High Accuracy Quartz, kurz HAQ, bezeichnet besonders ganggenaue Quarzwerke. Während eine gewöhnliche Quarzuhr meist mit einer Abweichung von etwa 15 Sekunden pro Monat angegeben wird, erreichen HAQ-Werke Werte von wenigen Sekunden pro Jahr. Der Begriff ist keine geschützte Norm, sondern eine unter Sammlern und Herstellern gebräuchliche Sammelbezeichnung für die genauesten batteriebetriebenen Uhren. In der Präzision übertreffen sie mechanische Uhren um ein Vielfaches.

Was High Accuracy Quartz auszeichnet

Der entscheidende Unterschied zur Standardquarzuhr liegt nicht im Grundprinzip, sondern in der Feinabstimmung. Auch ein einfaches Quarzwerk arbeitet mit einem Schwingquarz, der üblicherweise mit 32.768 Schwingungen pro Sekunde schwingt und dessen Takt elektronisch heruntergeteilt wird. Diese Frequenz ist jedoch nicht vollkommen stabil, sondern reagiert vor allem auf Temperatur. Genau hier setzen HAQ-Werke an: Sie halten die Gangabweichung über das Jahr in einem sehr engen Rahmen, oft im einstelligen Sekundenbereich.

Wichtig ist die Abgrenzung zu funkgesteuerten oder GPS-Uhren. Diese können zwar noch genauer erscheinen, gleichen ihre Zeit aber laufend über ein externes Signal ab. Ein echtes HAQ-Werk ist dagegen autonom genau, es hält seine Präzision aus sich selbst heraus.

Wie die hohe Genauigkeit erreicht wird

Die wichtigste Technik hinter High Accuracy Quartz ist die Thermokompensation. Da die Schwingfrequenz des Quarzes von der Temperatur abhängt, misst die Elektronik die aktuelle Temperatur und korrigiert den Takt rechnerisch. Auf diese Weise bleibt die Uhr auch bei wechselnden Umgebungsbedingungen genau, etwa zwischen kaltem Handgelenk am Morgen und warmem Raum am Abend. Thermokompensierte Werke werden von manchen Marken unter eigenen Namen geführt, etwa als „SuperQuartz".

Ein zweiter Ansatz ist die Verwendung höherer Frequenzen. Einige Werke lassen den Quarz mit einem Vielfachen der üblichen Frequenz schwingen. Das kann die Stabilität verbessern und lässt zugleich den Sekundenzeiger ruhiger laufen. Hinzu kommen sorgfältig ausgewählte und gealterte Quarze sowie eine aufwendige Justierung jedes einzelnen Werks.

Bekannte Beispiele und typische Werte

Mehrere Hersteller haben sich einen Namen mit High Accuracy Quartz gemacht. Grand Seiko gibt für seine 9F-Quarzwerke laut Hersteller eine Abweichung von etwa 10 Sekunden pro Jahr an. Longines nennt für seine VHP-Modelle rund 5 Sekunden pro Jahr, ebenso Citizen für das Spitzenmodell „The Citizen". Besonders weit geht Citizen mit dem Kaliber 0100, das laut Hersteller nur etwa 1 Sekunde pro Jahr abweichen soll. Auch thermokompensierte Werke von Breitling und die hochfrequenten Werke von Bulova zählen zu diesem Feld.

Solche Angaben stammen von den Herstellern und gelten unter definierten Bedingungen. In der Praxis hängt die tatsächliche Abweichung auch davon ab, wie und wo eine Uhr getragen wird. Selbst mit etwas Abstand zu den Idealwerten bleiben HAQ-Werke aber deutlich genauer als Standardquarz.

HAQ im Vergleich zu mechanischen Uhren und Standardquarz

Im Vergleich zeigt sich der Abstand deutlich: Ein zertifizierter mechanischer Chronometer darf nach den Vorgaben der Prüfstelle COSC eine Abweichung im Bereich weniger Sekunden pro Tag aufweisen. Ein gutes HAQ-Werk bleibt über ein ganzes Jahr in derselben Größenordnung. Gegenüber einem Automatikwerk verzichtet man dafür auf das mechanische Innenleben und den Rotor, gewinnt aber Genauigkeit, geringes Gewicht und wenig Wartungsaufwand. Wer maximale Präzision ohne Funkabgleich sucht, findet sie im HAQ-Segment.

Was HAQ im Alltag bedeutet

Auch wenn HAQ-Werke sehr genau sind, gelten die Herstellerangaben unter bestimmten Bedingungen. Die tatsächliche Abweichung hängt unter anderem davon ab, wie konstant die Temperatur ist und wie die Uhr getragen wird. Eine dauerhaft am warmen Handgelenk getragene Uhr arbeitet oft in einem günstigen Bereich, weil die Thermokompensation auf typische Körpertemperatur ausgelegt ist. Extreme Kälte oder Hitze können die Werte dagegen etwas verschlechtern. Für den Alltag heißt das: Eine HAQ-Uhr muss über lange Zeiträume kaum nachgestellt werden, oft genügt eine Korrektur wenige Male im Jahr. Zu beachten ist außerdem, dass eine höhere Grundgenauigkeit nichts an der grundsätzlichen Wartung ändert. Wie jede batteriebetriebene Uhr braucht auch ein HAQ-Werk in mehrjährigen Abständen eine frische Zelle.

Häufige Fragen

Wie genau ist eine HAQ-Uhr im Vergleich zur normalen Quarzuhr?

Eine Standardquarzuhr weicht typischerweise etwa 15 Sekunden pro Monat ab. HAQ-Werke bewegen sich stattdessen im Bereich weniger Sekunden pro Jahr. Das ist rund um den Faktor zehn oder mehr genauer.

Ist eine Funk- oder GPS-Uhr nicht genauer als HAQ?

In der angezeigten Zeit ja, weil solche Uhren sich über ein externes Signal abgleichen. Ein HAQ-Werk ist dagegen autonom genau: Es hält seine Präzision ohne äußere Korrektur allein durch das Werk selbst.

Muss ich eine HAQ-Uhr besonders warten?

Wie jede Quarzuhr braucht sie in erster Linie einen Batteriewechsel in mehrjährigen Abständen. Zusätzliche Justierarbeiten sind im Alltag nicht nötig, weil die Genauigkeit fest im Werk angelegt ist.