Uhren-Lexikon · Zifferblatt & Anzeige

Guilloché

Ein feines, ins Zifferblatt graviertes Muster aus sich kreuzenden Linien.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Guilloché bezeichnet ein feines, regelmäßiges Muster aus sich kreuzenden oder wiederholenden Linien, das in eine Metalloberfläche graviert wird. Am häufigsten begegnet es dir auf dem Zifferblatt, es kann aber auch Gehäuseteile oder den Rotor eines Werks zieren. Das Muster fängt das Licht in feinen Linien und gibt der Oberfläche dadurch Tiefe und ein lebendiges Spiel, das eine glatte Fläche nicht bietet.

Was genau Guilloché ist

Guilloché ist eine Verziertechnik, keine bestimmte Form. Kennzeichnend ist, dass das Muster nicht aufgedruckt oder aufgeklebt, sondern in das Material eingeschnitten wird. Dadurch entstehen winzige, exakt gleichmäßige Rillen, an deren Kanten sich das Licht bricht. Je nach Blickwinkel wandern helle und dunkle Bereiche über die Fläche, was dem Zifferblatt eine feine, changierende Struktur verleiht.

Weil die Linien sauber und gleichmäßig verlaufen müssen, ist echtes Guilloché anspruchsvoll: Schon eine kleine Unregelmäßigkeit fällt auf und kann das Werkstück unbrauchbar machen. Aus diesem Grund gilt sorgfältig ausgeführtes Guilloché als Zeichen gehobener Verarbeitung.

Wie ein Guilloché-Muster entsteht

Traditionell wird Guilloché auf einer handbetriebenen Maschine gefertigt, etwa einer Rosenmaschine oder einer geradlinigen Guillochiermaschine. Dabei wird das Werkstück gegen einen feststehenden Stichel geführt und von Kurvenscheiben so bewegt, dass ein gleichmäßiges Muster entsteht. Der Uhrmacher oder Graveur dreht und führt das Werkstück von Hand, weshalb jedes Stück ein wenig eigen ausfällt. Diese handwerkliche Technik ist zeitaufwendig und verlangt viel Übung.

Historisch wurde die Technik im 18. Jahrhundert für Zifferblätter populär. Eng verbunden ist ihr Name mit dem Uhrmacher Abraham-Louis Breguet, der Guilloché auf Zifferblättern einsetzte – teils als Schmuck, teils um verschiedene Anzeigebereiche optisch voneinander abzugrenzen und Reflexe zu mindern. Dieselbe Handschrift findet sich auch im Breguet-Zeiger, einer nach ihm benannten Zeigerform.

Typische Muster und wo du sie findest

Guilloché tritt in vielen wiederkehrenden Mustern auf. Zu den bekanntesten gehören:

  • Clou de Paris, ein Muster aus kleinen, spitz zulaufenden Pyramiden, auch Pariser Nagelung genannt.
  • Grain d'orge oder Gerstenkorn, ein Muster aus feinen, gebogenen Linien.
  • strahlenförmige und wellenförmige Anordnungen, die vom Zentrum ausgehen oder als Wellen über das Blatt laufen.

Du findest Guilloché vor allem auf klassisch gestalteten Zifferblättern, häufig in Kombination mit aufgesetzten Applikationen als Stundenmarkierung. Manchmal ist nur ein Teilbereich guillochiert, etwa ein kleines Hilfszifferblatt, um es vom Rest abzuheben.

Echt oder geprägt? Worauf du achten solltest

Nicht jedes Muster, das nach Guilloché aussieht, ist auch graviert. Es gibt eine günstigere Variante, bei der das Muster in ein weiches Metall geprägt oder gestanzt wird. Ein solches geprägtes Muster wirkt meist flacher, seine Kanten sind weniger scharf und das Lichtspiel ist weniger lebendig als bei echter, spanabhebender Gravur. Beim echten Guilloché reflektieren die sauber geschnittenen Kanten das Licht deutlich brillanter.

Neben der klassischen Handarbeit gibt es heute auch maschinell mit computergesteuerten Fräsen hergestelltes Guilloché. Es kann sehr präzise ausfallen, gilt vielen Sammlern aber als weniger wertvoll als die aufwendige Arbeit an der Rosenmaschine. Willst du die Machart einschätzen, hilft ein Blick unter Vergrößerung auf die Kanten und die Gleichmäßigkeit der Linien.

Einordnung

Guilloché ist eine von mehreren Techniken, mit denen ein Zifferblatt Struktur bekommt. Vom Sonnenschliff, bei dem feine Strahlen in die Oberfläche gebürstet werden, unterscheidet es sich dadurch, dass hier ein zusammenhängendes Linienmuster eingeschnitten wird. Der Perlage auf verdeckten Werkteilen ähnelt es im handwerklichen Aufwand, wird aber sichtbar auf der Vorderseite eingesetzt. Als grobe Orientierung gilt: Ein fein und gleichmäßig graviertes Muster, das je nach Licht changiert, ist ein Zeichen für sorgfältige Verarbeitung – vorausgesetzt, es ist tatsächlich geschnitten und nicht nur geprägt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Guilloché bei einer Uhr?

Guilloché bezeichnet ein feines, regelmäßiges Linienmuster, das in eine Metalloberfläche graviert wird, meist in das Zifferblatt. Die eingeschnittenen Rillen brechen das Licht und geben der Fläche Tiefe und ein lebendiges Spiel, das je nach Blickwinkel changiert.

Wie wird echtes Guilloché hergestellt?

Traditionell auf einer handbetriebenen Maschine wie der Rosenmaschine. Dabei wird das Werkstück gegen einen feststehenden Stichel geführt, der das Muster einschneidet. Die Arbeit ist zeitaufwendig und verlangt viel Erfahrung, weshalb sie als Zeichen gehobener Verarbeitung gilt.

Wie erkenne ich geprägtes von echtem Guilloché?

Geprägtes Guilloché wird in weiches Metall gedrückt und wirkt flacher, mit weicheren Kanten und weniger Lichtspiel. Echtes, geschnittenes Guilloché hat scharfe Kanten, die das Licht brillanter reflektieren. Unter einer Lupe lassen sich beide oft an der Sauberkeit der Linien unterscheiden.