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Leuchtmasse bei Uhren: Super-LumiNova, Tritium und Radium erklärt

◷ 6 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Ein kurzer Blick aufs Handgelenk im Dunkeln, und die Zeiger leuchten dir entgegen – für viele gehört das zu den schönsten Alltagsmomenten einer guten Uhr. Möglich macht das die Leuchtmasse, im Uhrenjargon oft „Lume" genannt. Doch Leuchtmasse ist nicht gleich Leuchtmasse.

Es gibt grundlegend verschiedene Verfahren, eine Uhr im Dunkeln sichtbar zu machen. Manche laden sich mit Licht auf und geben es langsam wieder ab, andere leuchten über Jahre von ganz allein. Und dann gibt es noch eine gefährliche Variante aus der Vergangenheit, die man bei alten Uhren unbedingt kennen sollte.

Dieser Ratgeber erklärt dir die drei wichtigsten Technologien – Super-LumiNova, Tritium und historisches Radium – und was sie im Alltag unterscheidet.

Warum Uhren im Dunkeln leuchten

Damit eine Uhr im Dunkeln ablesbar ist, wird Leuchtmasse auf Zeiger, Indizes oder das ganze Zifferblatt aufgetragen. Grundsätzlich gibt es dafür zwei völlig unterschiedliche Prinzipien. Beim ersten muss die Leuchtmasse zunächst Licht „tanken", um danach nachzuleuchten – das nennt man Photolumineszenz. Beim zweiten erzeugt die Uhr ihr Leuchten selbst und ist auf keine äußere Lichtquelle angewiesen.

Welches Prinzip in deiner Uhr steckt, entscheidet über das Verhalten im Alltag: ob du sie tagsüber ans Licht halten musst oder ob sie einfach immer leuchtet. Beide haben ihre Berechtigung – und ihre klaren Grenzen.

Photolumineszenz: Super-LumiNova und LumiNova

Die mit Abstand häufigste Leuchtmasse in modernen Uhren ist photolumineszent. Bekannte Handelsnamen sind LumiNova und das weiterentwickelte Super-LumiNova. Das Prinzip: Die Masse enthält Pigmente, die Lichtenergie aufnehmen, speichern und anschließend im Dunkeln als sanftes Nachleuchten wieder abgeben. Sie muss also geladen werden – durch Tageslicht, Sonne oder eine Lampe.

Wichtig zu wissen: Dieses Nachleuchten klingt ab. Direkt nach dem Aufladen leuchtet die Uhr kräftig, über die Stunden wird das Glimmen schwächer. Am nächsten Morgen ist meist kaum noch etwas zu sehen. Das ist kein Defekt, sondern das normale Verhalten photolumineszenter Leuchtmasse. Ein großer Vorteil: Super-LumiNova ist ungiftig und nicht radioaktiv, lässt sich also völlig unbedenklich tragen – auch deshalb ist es der Standard bei modernen Taucheruhren.

Besonders schnell lädt sich die Masse unter UV-reichem Licht auf, etwa in direkter Sonne. Künstliches Licht funktioniert ebenfalls, braucht aber meist etwas länger und lädt schwächer. Die gespeicherte Energie reicht dann für ein Nachleuchten, das in den ersten Minuten am kräftigsten ist und danach kontinuierlich abnimmt – je nach Uhr über einige Stunden hinweg.

Farben und Varianten: von C3 bis BGW9

Super-LumiNova gibt es in verschiedenen Abstufungen, die sich in Leuchtfarbe und Tageslicht-Farbton unterscheiden. Zwei Varianten begegnen dir besonders oft: C3 leuchtet in kräftigem Grün und hat am Tag einen leicht gelblichen Ton – es gilt als besonders hell. BGW9 leuchtet dagegen bläulich und wirkt bei Tageslicht nahezu weiß, was viele als besonders clean empfinden.

Welche Farbe „besser" ist, ist Geschmackssache. Grüne Leuchtmasse wird vom menschlichen Auge oft als heller wahrgenommen, während blaues Lume als moderner und dezenter gilt. Manche Uhren kombinieren sogar mehrere Farben, etwa für Stunden- und Minutenzeiger. Fürs Uhrenglas gilt unabhängig davon: Eine gute Entspiegelung verbessert die Ablesbarkeit im Dunkeln zusätzlich.

Wie hell und wie lange eine Uhr leuchtet, hängt aber nicht allein von der Farbe ab. Auch die aufgetragene Menge spielt eine Rolle: Dick und sauber aufgetragene Leuchtmasse auf großen Flächen speichert mehr Energie und leuchtet länger nach als ein dünner Strich auf schmalen Zeigern. Deshalb wirken Taucheruhren mit ihren großzügigen Leuchtflächen im Dunkeln oft deutlich präsenter als filigrane Kleideruhren.

Tritium-Gasröhrchen: Leuchten ohne Aufladen

Ganz anders arbeiten Tritium-Gasröhrchen, oft mit dem Kürzel H3 gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um winzige Glasröhrchen, die mit dem Wasserstoff-Isotop Tritium gefüllt und innen beschichtet sind. Das Tritium regt die Beschichtung dauerhaft zum Leuchten an – ganz ohne vorheriges Aufladen. Solche Uhren leuchten also auch nach Tagen in der dunklen Schublade noch, weil sie ihr Licht selbst erzeugen. Bekannt sind sie unter anderem von traser und Ball.

Der Vorteil liegt auf der Hand: konstantes, wartungsfreies Leuchten über viele Jahre, unabhängig von jeder Lichtquelle. Allerdings nimmt die Leuchtkraft langsam ab – Tritium hat eine Halbwertszeit von gut zwölf Jahren, sodass die Röhrchen über ein bis zwei Jahrzehnte spürbar schwächer werden. Die verwendeten Mengen sind gering, die Röhrchen versiegelt, und diese Anwendung gilt als sicher.

Radium: die gefährliche Vergangenheit

Historisch wurde für Leuchtzeiger häufig Radium verwendet – vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Radium ist selbstleuchtend, aber stark radioaktiv und damit gesundheitlich gefährlich. Heute ist sein Einsatz längst verboten.

Für dich ist das vor allem bei alten Uhren relevant. Zeiger und Zifferblätter von Vintage-Stücken aus dieser Zeit können radiumhaltige Leuchtmasse enthalten. Solange sie unversehrt im geschlossenen Gehäuse sitzt, ist die Strahlung nach außen gering. Gefährlich wird vor allem loser, abbröckelnder Leuchtstaub, wenn er eingeatmet wird. Deshalb gilt: alte Uhren mit Verdacht auf Radium nicht selbst öffnen, nicht an der Leuchtmasse kratzen und im Zweifel einem Fachmann überlassen. Mehr dazu, wie du alte Schätze sicher behandelst, liest du unter Vintage-Uhren pflegen.

An der Leuchtmasse lässt sich damit ein Stück Uhrengeschichte ablesen. Auf das gefährliche Radium folgte über die Jahrzehnte zunächst das deutlich schwächer strahlende Tritium als aufgetragene Leuchtfarbe, ehe sich die ungefährliche Photolumineszenz durchsetzte. Tritium lebt heute vor allem in Form der versiegelten Gasröhrchen weiter, während frei aufgetragene radioaktive Leuchtmasse der Vergangenheit angehört.

Lume im Alltag: aufladen, pflegen, genießen

Für den täglichen Gebrauch heißt das: Bei einer Uhr mit Super-LumiNova lohnt es sich, sie vor dem Dunkeln kurz bewusst ans Licht zu halten – ein paar Minuten Sonne oder eine helle Lampe wirken Wunder. Je stärker und je frischer die Ladung, desto länger und heller das Nachleuchten. Mit der Mechanik im Inneren hat das übrigens nichts zu tun: Eine mechanische Uhr und eine Quarzuhr nutzen dieselbe Leuchtmasse.

Setzt du dagegen auf konstante Sichtbarkeit ohne jedes Zutun, sind Tritium-Röhrchen die konsequentere Lösung, auch wenn sie über die Jahre langsam schwächer werden. Und triffst du auf eine alte Uhr mit fraglicher Leuchtmasse, ist Vorsicht der beste Ratgeber. So bleibt das Leuchten im Dunkeln genau das, was es sein soll: ein kleiner, verlässlicher Alltagsluxus.

Häufige Fragen

Muss ich Super-LumiNova aufladen?

Ja. Super-LumiNova ist photolumineszent, nimmt also Licht auf und gibt es danach als Nachleuchten ab. Halte die Uhr vor dem Dunkeln kurz an eine helle Lichtquelle. Das Leuchten klingt über die Nacht langsam ab – das ist normal.

Wie lange leuchtet eine Uhr im Dunkeln?

Bei Super-LumiNova ist das Leuchten direkt nach dem Aufladen am hellsten und wird über die Stunden schwächer; am Morgen ist meist wenig übrig. Tritium-Röhrchen leuchten dagegen dauerhaft über Jahre, werden aber langsam schwächer.

Ist Leuchtmasse in Uhren gefährlich?

Moderne Leuchtmasse wie Super-LumiNova ist ungiftig und nicht radioaktiv. Tritium in versiegelten Röhrchen gilt in den verwendeten kleinen Mengen als sicher. Gefährlich ist vor allem historisches Radium in alten Uhren.

Was ist der Unterschied zwischen C3 und BGW9?

Beides sind Varianten von Super-LumiNova. C3 leuchtet kräftig grün und wirkt am Tag leicht gelblich, BGW9 leuchtet bläulich und erscheint bei Tageslicht nahezu weiß. Grün wird oft als heller empfunden, Blau als dezenter.

Darf ich eine alte Uhr mit Radium-Leuchtmasse tragen?

Solange das Gehäuse geschlossen und die Leuchtmasse unversehrt ist, ist die Strahlung nach außen gering. Problematisch ist loser Leuchtstaub. Öffne solche Uhren nicht selbst, kratze nicht an der Leuchtmasse und überlasse Arbeiten daran einem Fachmann.

Recherchiert und geschrieben von der Redaktion von Uhren-Experte – unabhängig, werbefrei und ohne Marketing-Sprech.