Uhren-Lexikon · Uhrentypen

Taschenuhr

Uhr zum Tragen in der Tasche, historischer Vorläufer der Armbanduhr.

◷ 3 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Eine Taschenuhr ist eine tragbare Uhr, die nicht am Handgelenk, sondern in der Tasche getragen wird – klassisch in der Westentasche, häufig gesichert an einer Uhrenkette. Über Jahrhunderte war sie die verbreitetste Form der tragbaren Uhr und gilt damit als historischer Vorläufer der Armbanduhr. Auch heute wird sie noch gefertigt und vor allem von Sammlern und zu festlichen Anlässen geschätzt.

Was eine Taschenuhr ausmacht

Die Taschenuhr ist deutlich größer als eine Armbanduhr und rund gebaut. Sie liegt flach in der Tasche und wird zum Ablesen herausgenommen, weshalb sie meist an einer Kette befestigt ist, damit sie nicht verloren geht. Das großzügige Gehäuse bietet Platz für ein entsprechend großes Werk.

Genau diese Größe war lange ein technischer Vorteil. In einem großen Werk lassen sich die Bauteile üppiger dimensionieren, was der Ganggenauigkeit zugutekommt. Hochwertige Taschenuhren dienten daher lange als besonders präzise Zeitmesser, und viele erreichten das Niveau eines Chronometers. Das Zifferblatt ist häufig schlicht und klar gehalten, oft mit einer kleinen Sekunde bei der Sechs.

Bauformen: offen oder mit Sprungdeckel

Bei den Bauformen unterscheidet man vor allem zwei Grundtypen. Die offene Form, auch als Lépine bekannt, zeigt das Zifferblatt ungeschützt hinter dem Glas; die Krone zum Aufziehen sitzt hier klassisch oben bei der Zwölf. Diese Bauart ist flach und schnell abzulesen.

Die zweite Form ist die Savonnette, eine Sprungdeckeluhr. Bei ihr schützt ein aufklappbarer Metalldeckel das Glas und das Zifferblatt; per Knopfdruck springt der Deckel auf. Das schützt das Blatt, verlangt aber einen zusätzlichen Handgriff zum Ablesen. Beide Formen wurden über die Zeit in schlichten wie in reich verzierten Ausführungen gebaut, oft mit einem edlen Emaille-Zifferblatt.

Aufzug und Bedienung

Bei sehr alten Taschenuhren erfolgte der Aufzug noch mit einem separaten Schlüssel, der auf einen Vierkant am Werk gesteckt wurde. Später setzte sich der bequemere Aufzug über eine Krone durch, wie man ihn von modernen Uhren kennt. Nahezu alle Taschenuhren sind mechanische Uhren mit Handaufzug, die also regelmäßig von Hand aufgezogen werden müssen.

Wichtig ist ein pfleglicher Umgang, da viele Taschenuhren bereits ein hohes Alter haben. Das Gehäuse sollte vor Stößen geschützt werden, und wie bei jeder mechanischen Uhr empfiehlt sich eine fachgerechte Wartung, wenn die Uhr wieder regelmäßig laufen soll. Ein empfindliches, älteres Werk verzeiht groben Umgang nur schlecht.

Von der Taschenuhr zur Armbanduhr

Tragbare, federgetriebene Uhren gibt es seit der frühen Neuzeit, und über mehrere Jahrhunderte war die Taschenuhr die selbstverständliche Form, eine Uhr bei sich zu tragen. Die Armbanduhr galt lange als Randerscheinung.

Das änderte sich im frühen 20. Jahrhundert. Die Armbanduhr erwies sich im Alltag als praktischer, weil sie ohne Griff in die Tasche abzulesen ist, und setzte sich besonders im Zuge des Ersten Weltkriegs durch, als eine schnell ablesbare Uhr am Handgelenk militärisch von Vorteil war. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Taschenuhr weitgehend von der Armbanduhr verdrängt. Erhalten geblieben ist sie als Liebhaberstück: Alte Exemplare sind begehrte Sammlerobjekte, und zum festlichen Anzug wird die Taschenuhr bis heute getragen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann wurde die Taschenuhr von der Armbanduhr abgelöst?

Der Wandel vollzog sich vor allem im frühen 20. Jahrhundert. Die Armbanduhr war im Alltag praktischer, weil sie sich ohne Griff in die Tasche ablesen ließ, und verbreitete sich besonders im Zuge des Ersten Weltkriegs. In den Jahrzehnten danach verdrängte sie die Taschenuhr als Alltagsuhr.

Wie zieht man eine Taschenuhr auf?

Die meisten Taschenuhren sind Handaufzugsuhren und werden über die Krone aufgezogen. Bei sehr alten Modellen geschah das noch mit einem aufgesteckten Schlüssel. In beiden Fällen solltest du behutsam und nicht mit Gewalt aufziehen, um das Werk zu schonen.

Was ist eine Savonnette?

Eine Savonnette ist eine Taschenuhr mit einem aufklappbaren Sprungdeckel, der Glas und Zifferblatt schützt. Zum Ablesen wird der Deckel per Knopfdruck geöffnet. Das Gegenstück ist die offene Bauform (Lépine), bei der das Zifferblatt frei hinter dem Glas liegt.